Depression am Gang erkennen: Wie Bewegung und Psyche zusammenhängen

Elisabeth Kerler  |  02.04.2026 10:03 Uhr

Die Art zu gehen, das Aufstehen, kleine Pausen in der Bewegung: All das kann viel über die innere Verfassung verraten. Eine neue Studie zeigt, dass sich Hinweise auf Depressionen und Angststörungen im Bewegungsablauf erkennen lassen – mit Hilfe von 3D-Technik und Künstlicher Intelligenz.

Menschen gehen in der Stadt mit langen Schatten.
An der Art, wie jemand geht oder aufsteht, lassen sich Hinweise auf die Psyche ablesen.
© monkeybusinessimages/iStockphoto

Bewegung als Spiegel der Psyche

Wie sich ein Mensch bewegt, kann Hinweise auf seine psychische Verfassung liefern – und diese sind mittels 3D-Bewegungsaufnahmen erfassbar: Das hat ein Forschungsteam in einer Studie gezeigt. Es hat zusätzlich maschinelles Lernen verwendet, um typische Muster beim Gehen und Aufstehen zu analysieren, wie die University of Texas at Dallas schreibt. 

Studie: So wurden die Bewegungen analysiert 

An der Untersuchung nahmen 30 junge Erwachsene teil. Zunächst beantworteten sie standardisierte Fragebögen zu ihren Depressions- und Angstsymptomen. Anhand dessen wurden sie in zwei Gruppen eingeteilt: Menschen mit höheren Depressions- und Angstwerten und Personen mit niedrigen Werten. Anschließend führten die Teilnehmenden Geh- und Aufstehbewegungen aus – ausgestattet mit einem speziellen Anzug, der ihre Bewegungen über 68 reflektierenden Markern und ein Kamerasystem präzise aufzeichnete.

Die gewonnenen Daten mancher Studienteilnehmer flossen in ein Machine-Learning-Modell ein. Es sollte lernen, Bewegungsmuster mit unterschiedlichen psychischen Belastungsgraden zu verknüpfen. Danach wurde das System anhand der übrigen, ihm noch unbekannten Bewegungsdaten getestet: Hier musste es entscheiden, ob die Person hohe oder niedrige Werte für Depression- und Angstsymptome hatte. 

Auffällige Unterschiede im Bewegungsablauf

Das Modell erkannte korrekt erhöhte Depressions- und Angstsymptome in rund 75 Prozent der Fälle beim Gehen und in 77 Prozent beim Aufstehen, etwa veränderte Gelenkbewegungen oder mehr Zögern beim Übergang vom Sitzen zum Gehen. „Personen mit höheren Depressions- und Angst-Werten zeigten subtile, aber messbare Unterschiede“, fasst Erstautor Angeloh Stout in der Mitteilung zusammen. Allerdings lag das System auch etwa bei jedem vierten Gangbild daneben. 

Früherkennung von Depression und Angst: Chancen und Grenzen

Die Forschenden sehen darin eine mögliche Grundlage für tragbare Technologien, die frühzeitig auf Veränderungen der psychischen Gesundheit hinweisen könnten. Wichtig sei jedoch: Solche Systeme könnten lediglich Hinweise liefern, keine Diagnose ersetzen. „Wenn wir potenzielle Probleme feststellen können, können Menschen früh Hilfe suchen“, bestärkte Studienleiter Dr. Gu Eon Kang.

Quelle: DOI 10.1016/j.gaitpost.2026.110123

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