Pfeifende Atemgeräusche bei Kindern: Antibiotikum oft ohne Nutzen

Elisabeth Kerler  |  19.05.2026 14:21 Uhr

Kinder mit pfeifenden Atemgeräuschen profitieren laut Studie nicht vom Antibiotikum Azithromycin. Warum Forscher nun Erkältungsviren in den Blick nehmen.

Ärztin hört die Lunge eines Kindes, etwa 3 Jahre alt, ab.
Klingt die Lunge wieder normal? Bei manchen Kindern sind pfeifende Atemgeräusche das erste Anzeichen von Asthma, bei anderen verschwinden sie wieder.
© KatarzynaBialasiewicz/iStockphoto

Vorschulkinder, die wegen schwerer pfeifender Atemgeräusche in die Notaufnahme kommen, profitieren offenbar nicht von dem Antibiotikum Azithromycin. Das zeigt eine große klinische Studie unter Leitung der University of Arizona College of Medicine in Tucson. Zum Hintergrund: US-Krankenhäuser nehmen im Jahr 30.000 Kinder im Alter unter fünf Jahren wegen pfeifender Atemgeräusche und Asthma auf. Bei einigen ist das sogenannte Giemen der erste Hinweis auf Asthma, bei anderen normalisiert sich die Atmung wieder.

Azithromycin oder ein Scheinmedikament

An der Studie nahmen 840 Kinder im Alter zwischen 18 und 59 Monaten teil, die in den Notaufnahmen von acht Kinderkliniken in den USA wegen des Giemens behandelt wurden. Die Kinder erhielten zufällig entweder fünf Tage lang Azithromycin oder ein Placebo. Anschließend dokumentierten die Eltern täglich, wie es ihren Kindern ging, etwa hinsichtlich Atmung, Husten, Appetit und Stimmung.

Bakterieninfektionen häufig – dennoch kein Vorteil mit Antibiotikum

Die Forschenden wollten unter anderem klären, ob bestimmte Bakterien bei schweren Episoden mit Giemen eine wichtige Rolle spielen. Tatsächlich trug ein Großteil der Kinder (62 Prozent) mindestens eine Bakterienart im Nasen-Rachen-Raum, bei der ein Zusammenhang mit pfeifenden Atemgeräuschen vermutet wird. Trotzdem stellte das Team bereits bei einer Zwischenanalyse keinen Vorteil bei den Kindern mit dem Antibiotikum gegenüber denen mit dem Scheinmedikament fest. Daher beendete es die Studie vorzeitig.

Kein Antibiotikum wegen pfeifender Atemgeräusche

Studienleiter Dr. Fernando Martinez erklärte in einer Mitteilung zur Veröffentlichung: „Wir können mit großer Sicherheit sagen, dass Kinder, die wegen starkem, pfeifendem Atemgeräusch zum Arzt oder in die Notaufnahme kommen, kein Azithromycin oder ein anderes Antibiotikum bekommen sollten.“

Viren stehen stärker im Fokus

Mehr als 86 Prozent der Kinder in der Studie waren mit Atemwegsviren infiziert, 72,5 Prozent mit bekannten Erkältungsviren. Die Forschenden gehen deshalb davon aus, dass Viren bei pfeifenden Atemgeräuschen und Asthma wichtiger sind als Bakterien.

„Wenn du Kinder mit Antibiotika behandelst, die bereits wegen eines Virus krank sind, siehst du keine Verbesserung“, betonte Martinez. „Der Fakt, dass die Kinder mit den krankheitserregenden Bakterien nicht auf das Antibiotikum reagiert haben – selbst, wenn wir die Bakterien damit beseitigt haben – stellt die Vorstellung infrage, dass Bakterien das Giemen verursachen. Wahrscheinlich sind die Bakterien da, weil die Kinder bereits anfällig sind.“

Giemen möglicherweise Folge einer veränderten Immunreaktion

Martinez vermutet, dass Erkältungsviren bei den betroffenen Kindern auf besondere Weise wirken und sich Bakterien deshalb leichter ansiedeln können, weil das Immunsystem der Kinder beeinträchtigt sei. Er könne sich vorstellen, dass „die Bakterien ihren Vorteil daraus ziehen, dass das Kind keine passende Immunreaktion auf das Virus zeigt“. Diesen Ansatz möchte das Forschungsteam nun weiterverfolgen. Die Ergebnisse könnten auch mit Blick auf Antibiotikaresistenzen relevant sein.

Quelle: DOI 10.1056/NEJMoa2516505 

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