Ebola-Ausbruch im Kongo: WHO ruft internationalen Gesundheitsnotstand aus

Wolf Löchel  |  19.05.2026 16:58 Uhr

In der Demokratischen Republik Kongo breitet sich erneut das Ebolavirus aus. Diesmal mit einem Stamm, gegen den es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine zugelassene Therapie gibt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Ausbruch am 17. Mai 2026 offiziell zum internationalen Gesundheitsnotfall erklärt.

Frau mit Maske macht Untersuchung am Mikroskop
Vier Wochen vergingen zwischen dem ersten Krankheitsfall und der Identifizierung des Erregers im Labor.
© Jacob Wackerhausen/iStockphoto

Ein internationaler Gesundheitsnotstand wird von der WHO ausgerufen, wenn sich eine Krankheit international ausbreitet, eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit anderer Staaten darstellt und eine koordinierte Reaktion erforderlich macht. Die WHO stuft die aktuelle Lage ausdrücklich nicht als pandemische Notlage ein. Das wäre die nächsthöhere Eskalationsstufe.

Bundibugyo-Stamm: Ein wenig bekannter Erreger

Bei diesem Ausbruch zirkuliert nicht der berüchtigte Zaire-Stamm, sondern das erst 2007 entdeckte Bundibugyo-Ebolavirus. „Die Bundibugyo-Variante kennen wir hauptsächlich aus zwei Ausbrüchen mit etwas über 200 Fällen, wir kennen sie also nicht besonders gut", erklärt Dr. Maximilian Gertler, Tropenmediziner an der Berliner Charité. Die Sterblichkeit liegt zwischen 30 und 50 Prozent, aber belastbare Daten dazu sind rar. Stand 16. Mai meldete die WHO acht laborbestätigte Fälle, 246 Verdachtsfälle und 80 Todesfälle in der betroffenen Provinz Ituri im Kongo. Andere Quellen wie die Afrikanische Gesundheitsbehörde CDC sprachen zuletzt sogar von höheren Zahlen.

Ausbruch blieb wochenlang unentdeckt

Der erste vermutete Krankheitsfall entwickelte bereits am 24. April Symptome und starb wenig später. Die WHO wurde jedoch erst am 5. Mai alarmiert, die Laborbestätigung erfolgte sogar erst am 14. Mai. Die ersten Tests fielen negativ aus, weil sie nur den Zaire-Stamm nachweisen können. Zudem ähneln die frühen Symptome wie Fieber und Muskelschmerzen häufigeren Krankheiten wie Malaria. In den vier Wochen bis zur Diagnose dürften zahlreiche Übertragungen unbemerkt stattgefunden haben. Auffällig: Über 60 Prozent der Verdachtsfälle sind Frauen zwischen 20 und 39 Jahren. Das deutet darauf hin, dass sich das Virus vor allem im häuslichen Umfeld und bei der Pflege weiterverbreitet.

Noch kein Impfstoff vorhanden

Die bei früheren Ausbrüchen bewährte Ringimpfung von Kontaktpersonen ist diesmal nicht möglich: Die zugelassenen Ebola-Impfstoffe schützen ausschließlich gegen den Zaire-Stamm. Für Bundibugyo existieren weder Impfstoffe noch spezifische Medikamente. An einem experimentellen Impfstoff gegen mehrere Ebola-Varianten wird zwar geforscht, einsatzbereit ist dieser aber noch nicht. Gertler betont jedoch: „Es gibt harte Daten dafür, dass je früher und je besser eine unterstützende Behandlung eingesetzt wird, desto geringer die Sterblichkeit ist." Dazu zählen vor allem Flüssigkeitsinfusionen und intensivmedizinische Versorgung.

Ausbreitung durch schwierige Bedingungen begünstigt

Die internationale Ausbreitung hat bereits eingesetzt: Zwei laborbestätigte Fälle wurden am 15. und 16. Mai in Kampala (Uganda) gemeldet, ein weiterer in Goma an der Grenze zu Ruanda. Begünstigt wird die Ausbreitung durch die geografische Abgeschiedenheit der Provinz Ituri, fehlende Infrastruktur und bewaffnete Konflikte vor Ort. Mindestens vier Todesfälle unter Gesundheitspersonal wurden bereits registriert. Die WHO fordert verstärkte Überwachung und Ausreisescreenings, lehnt Grenzschließungen jedoch ausdrücklich ab. Laut Gertler waren Teams von Ärzte ohne Grenzen bereits vor der offiziellen Bestätigung mit Verdachtsfällen aktiv und werden derzeit weiter aufgestockt.

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