Depression oder Psychose? Biomarker zeigen früh Unterschiede

Elisabeth Kerler  |  25.02.2026 11:19 Uhr

Blutproben und MRT enthalten – laut einer Studie – unterschiedliche biologische Signaturen bei Depression und Psychose, bereits im Frühstadium.

Psychotherapie-Sitzung: Eine belastete Frau berichtet, beide Hände in ihrem Gesicht, die Fingerkuppen an den Schläfen. Ihr gegenüber sitzt ein älterer Herr mit einem Klemmbrett.
Derzeit werden Psychosen und Depressionen anhand klinischer Symptome diagnostiziert. Biomarker könnten das zukünftig ergänzen.
© KatarzynaBialasiewicz/iStockphoto

Zukünftig könnten Bluttests und MRT (Magnet-Resonanz-Tomographien) zur klaren Diagnosestellung von Depressionen und Psychosen beitragen: Denn die Erkrankungen unterscheiden sich bei Entzündungs- und Gehirnsignaturen bereits in den Frühstadien der Erkrankung. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie mit insgesamt 678 Personen aus fünf europäischen Ländern.

Hoch-Risiko-Personen und Menschen mit frischer Diagnose untersucht

Um erkennen zu können, ob die Signaturen bereits bei Beginn der Erkrankung vorliegen, nahm das Forschungsteam Blutproben und machte MRTs von:

  • 163 Personen mit frisch diagnostizierter Depression
  • 177 Personen mit frisch diagnostizierter Psychose
  • 172 Personen mit einem klinisch hohen Risiko für eine Psychose und
  • 166 gesunden Personen (Kontrollgruppe)

Alle von ihnen hatten kaum Medikamente bekommen. 

Signaturen für Depressionen und Psychose entdeckt

Anhand dieser Daten entdeckte das Team vier Signaturen aus Entzündungswerten und in den Messungen der grauen Masse des Gehirns mit Fokus auf den Bereichen, die Emotionen verarbeiteten. Es fand heraus:

  • Selbst in frühesten Krankheitsstadien unterschieden sich die Signaturen für Depressionen und Psychose ohne Überschneidungen.
  • Anhand der Psychose-Signatur konnten sogar die Hochrisiko-Patienten von den frisch Diagnostizierten unterschieden werden.
  • Hinweise auf eingeschränkte, kognitive Fähigkeiten fand das Forschungsteam in der Psychose-, nicht in der Depressions-Signatur.
  • Die Depressions-Signatur unterschied erkrankte Personen signifikant von der gesunden Kontrollgruppe. Anhand von Kindheits-Traumata in der Anamnese ließ sich vorhersagen, ob eine Person eine Depressions-Signatur haben würde.

Biomarker-Signaturen eröffnen neue Ansätze

Was folgt aus den Ergebnissen? „Diese Signaturen eröffnen neue Ansätze für sowohl biologisch als auch psychosozial fundierte frühe Interventionen bei Depression und Psychose. Das ebnet den Weg für maßgeschneiderte Therapien, je nachdem, ob sich die junge Person in einer Depressions- oder Psychose-Entwicklungskurve befindet“, erklärte Erstautor Dr. David Popovic, Max-Planck-Institut für Psychiatrie, in einer Mitteilung zur Veröffentlichung. 

Kein Ersatz für etablierte Diagnose von Psychose oder Depression

Allerdings betont Dr. Lana Kambeitz-Ilankovic von der Ludwig-Maximilian-Universität München und Universität zu Köln: Sie hätten nicht vor, die etablierte, klinische Diagnose, die auch die soziale Situation der Betroffenen in den Blick nimmt, zu ersetzen. Um die passenden Therapien zu finden, sei auch weitere Forschung notwendig.

Quelle: DOI 10.1001/jamapsychiatry.2025.3803

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