Möglicherweise setzt die Krankheitsentstehung bei Multipler Sklerose schon Jahre vor der klinischen Diagnose ein. Dafür spricht, dass fünf verschiedene Symptome häufig schon bis zu fünf Jahre vor der Diagnose auftreten, berichtet ein Forschungsteam des Paris Brain Institute in dem Fachblatt „Neurology“.

Auf der Suche nach Symptomen, die im Vorfeld von Multipler Sklerose auftreten, sind die Forschenden auf Depressionen, Verstopfung, sexuelle Störungen, Blasenentzündungen und Harnwegsinfektionen gestoßen, die häufig in den fünf Jahren vor der Diagnose vorkommen.
„Dieser Zusammenhang war auf statistischer Ebene ausreichend robust, um zu sagen, dass es sich um frühe klinische Warnzeichen handelt, die wahrscheinlich mit einer Schädigung des Nervensystems bei Patienten zusammenhängen, bei denen später Multiple Sklerose diagnostiziert wird. Das überdurchschnittliche Auftreten dieser Symptome hielt an und nahm in den fünf Jahren nach der Diagnose sogar zu“, erklärte Prof. Céline Louapre.
Eine Früherkennung anhand der Symptome ist jedoch nicht möglich, da sie auch bei gesunden Menschen weit verbreitet sind und bei Erkrankungen wie Lupus erythematodes und Morbus Crohn ebenfalls gehäuft vorkommen – sie sind also nicht spezifisch für Multiple Sklerose. Entsprechend wird nur bei einem kleinen Teil der Menschen, die unter Depressionen, sexuellen Problemen, Verstopfung und Harnwegsinfektionen leiden, einige Jahre später eine Autoimmunerkrankung diagnostiziert. „Diese Anzeichen allein werden nicht ausreichen, um eine frühe Diagnose zu stellen, aber sie werden uns sicherlich helfen, die Mechanismen der Multiplen Sklerose – die viele Ursachen hat – besser zu verstehen und ihren natürlichen Verlauf zu rekonstruieren“, so Louapre.
Multiple Sklerose (MS) ist eine neurologische Erkrankung, bei der das Immunsystem die Schutzhülle der Nervenfasern angreift, die für die Übertragung von Signalen zwischen dem Gehirn und den Organen und Extremitäten wichtig sind. Obwohl sich die Behandlung in den letzten zehn Jahren erheblich verbessert hat, gibt es noch keine Heilung. Insbesondere für Menschen mit einer schnell voranschreitenden Form fehlt eine Therapie.
Quelle: DOI 10.1212/WNL.0000000000207981
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