Gesundheit

Fatigue-Syndrom: Erschöpft, müde und antriebslos

NK  |  31.07.2021

Haare kämmen, die Spülmaschine ausräumen, der Gang zum Briefkasten: Wer unter dem Fatigue-Syndrom leidet, fühlt sich schon nach einfachsten Tätigkeiten völlig ausgelaugt. Einige leiden so sehr darunter, dass sie kaum noch am Leben teilnehmen können. Bei vielen Betroffenen tritt das Krankheitsbild nach einem Infekt auf.

 

Junge dunkelhaarige Frau, verdeckt ihr Gesicht mit den Händen.
Meist erkranken Frauen im Alter von 30 bis 40 Jahren am Fatigue-Syndrom, aber auch ältere Menschen und selbst Kinder gehören zu den Patienten.
© Liza Summer von Pexels

Fatigue ist das französische Wort für Erschöpfung oder Müdigkeit: Unter diesen Symptomen leiden Patienten mit dem Chronischen Fatigue-Syndrom (kurz CFS) beinahe dauerhaft. Schon kleinste Tätigkeiten wie ein Spaziergang oder ein Telefonat führen bei ihnen zu großen Erschöpfungszuständen, die in vielen Fällen auch erst am nächsten Tag auftreten. Ausreichend Schlaf und Erholung bringen keine Besserung. Neben der Erschöpfung gehören Kreislaufprobleme, fehlende Konzentration oder ein schlechtes Gedächtnis ebenso zu den möglichen Symptomen wie Verdauungsbeschwerden, Gefühlsstörungen oder ein geschwächtes Immunsystem. „Viele Fatigue-Patienten berichten auch von Kopf- und Gliederschmerzen oder dem Gefühl, als hätten sie eine Erkältung im Kopf“, erklärt Dr. Thorsten Riethmann, Facharzt für Neurochirurgie und Leiter des Instituts für Neuromodulation des Petrus-Krankenhaus Wuppertal. Eine Studie der Aalborg Universität in Dänemark aus dem Jahr 2015 legt sogar nahe, dass die Lebensqualität von CFS-Erkrankten oft niedriger ist als die von Multiple-Sklerose-, Schlaganfall- oder Lungenkrebs-Patienten.

Diagnose dauert oft viele Jahre

Wegen der vielfältigen und diffusen Symptome wird das Krankheitsbild häufig erst spät erkannt und mit Depressionen oder einer Schilddrüsenunterfunktion verwechselt. Betroffene haben Riethmann zufolge oft eine richtige Ärzte-Odyssee hinter sich, bevor sie die Diagnose erhalten. Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland rund 300.000 Betroffene, die Dunkelziffer liegt aber vermutlich weitaus höher.

Infekte könnten die Krankheit auslösen

Die Ursachen für das CFS sind noch nicht aufgedeckt. Viele Betroffene berichten, dass erste Symptome bei ihnen nach einem Infekt auftraten, zum Beispiel mit Epstein-Barr-Viren, die Pfeiffersches Drüsenfieber hervorrufen, aber auch Borrelien, Chlamydien oder andere Herpesviren. Wieder andere Erkrankte berichten davon, dass die Symptome bei ihnen nach einer schweren Verletzung, Operation, einer Schwangerschaft, Arbeitslosigkeit oder dem Tod eines nahestehenden Menschen begonnen haben. Derzeit wird auch diskutiert, ob auch das Coronavirus und die Spätfolgen einer Covid-19-Erkrankung mit dem CFS in Verbindung stehen.   

Behandlung: Viele Ansätze sind möglich

Medikamente gegen die Erkrankung gibt es bisher nicht. Forscher testen, ob Therapien, die das Immunsystem beeinflussen, gegen CFS helfen. „Bei der Behandlung geht es deshalb vor allem darum, die Symptome und damit den Alltag in den Griff zu bekommen“, erklärt Dr. Astrid Maroß, Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie im AOK-Bundesverband.  Dafür sei es wichtig, Prioritäten zu setzen, anstehende Arbeiten in Portionen aufzuteilen, frühzeitig Ruhepausen einzulegen und sich Unterstützung zu suchen. Auch eine kognitive Verhaltenstherapie könne helfen, außerdem werden Techniken zur Entspannung wie Autogenes Training oder Atemübungen empfohlen. Mit dem Arzt sollten die Betroffenen zudem absprechen, ob und mit welchen Medikamenten Schmerzen, Schlafstörungen, Atemwegsinfekte oder Verdauungsprobleme behandelt werden können.

Bringen diese verschiedenen Ansätze keine Linderung, könnte Dr. Riethmann zufolge auch die sogenannte Neuromodulation eine Option für die Patienten sein. Dieses Verfahren wird bereits häufig bei chronischen Schmerzen im Rückenbereich eingesetzt, aber auch zur Migränetherapie. Hierfür implantieren Mediziner Betroffenen einen kleinen Neurostimulator, der elektrische Impulse erzeugt. Über ein Programmiergerät steuert der Patient selbst die Intensität der Impulse. „Aktuell führen wir am Institut für Neurostimulation am Wuppertaler Petrus Krankenhaus eine Studie mit rund 10 bis 15 Patienten durch, die bereits gute bis sehr gute Ergebnisse bei den Teilnehmern zeigt“, so der Mediziner. Letztlich geht es bei der Behandlung immer wieder darum, Wege zu finden, wie die Patienten ihren Alltag anpassen können, um ihr Leben mit der Erkrankung zu erleichtern.

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