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Covid-19 und mögliche Langzeitfolgen

Dr. Frank Schäfer  |  01.02.2021

An einer Coronavirus-Infektion zu erkranken, kann Betroffene sehr belasten. Doch auch nach der akuten Phase geht es mitunter weiter. Experten kennen mittlerweile einige der länger anhaltenden Folgewirkungen, wobei diese noch intensiver erforscht werden müssen.

Junge Frau, liegt auf der Couch und hält eine Hand an ihre Schläfe.
Auch wenn die Covid-19-Erkrankung nur leicht verlief, können Patienten mit den Folgen noch länger kämpfen.
© dragana991/iStockphoto

Mehrere medizinische Fachgesellschaften in Deutschland haben eine Leitlinie zur klinischen Behandlung von Covid-19 herausgegeben. Sie beinhaltet ein Kapitel zu Langzeitfolgen der Infektionskrankheit. Dort heißt es: "Nachuntersuchungen von Covid-19-Erkrankten zeigten, dass viele Betroffene weit über die Zeit der eigentlichen Viruserkrankung hinaus symptomatisch blieben." Als Beleg zitieren die Autoren unter anderem eine italienische Studie mit 179 Covid-19-Patienten, die man nach der Entlassung aus dem Krankenhaus weiter beobachtet hat. Etwa 87 Prozent der Studienteilnehmer wiesen nach drei Monaten zumindest noch eine Folgewirkung auf, bei gut der Hälfte der Patienten waren es drei oder mehr Folgesymptome. An erster Stelle auf der Liste steht eine extreme Erschöpfung mit geistiger und körperlicher Leistungsminderung. Experten sprechen dabei vom Fatigue-Symptomkomplex. Es folgen Atemprobleme sowie Gelenk- und Brustschmerzen. Etwa 40 Prozent der Studienteilnehmer berichteten von verringerter Lebensqualität.

Liest man solche Befunde, verwundern Schätzungen nicht, denen zufolge ungefähr die Hälfte der in einer Klinik behandelten Covid-19-Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt Rehabilitationsleistungen benötigen könnte. Dazu trägt bei, dass sich bei nicht wenigen der aus der Klinik entlassenen Patienten entzündetes, verhärtetes Bindegewebe in der Lunge und eine Einschränkung der Lungenfunktion findet. Berichte gibt es zudem über entzündliche Veränderungen am Herzen sowie über Nieren- und Blutgefäßschäden. Noch kann man nicht genau sagen, wie lange solche Befunde bestehen bleiben und wie sie sich auf Dauer auswirken.

Störungen auch im Nervensystem

Auch nervliche beziehungsweise neurologische Symptome treten oft auf. Einer US-Studie zufolge sollen sie − zumindest vorübergehend − bei etwa 80 Prozent der Klinikpatienten mit Covid-19 vorkommen. Oft handelt es sich um Kopf- und Muskelschmerzen sowie Benommenheit. Eine recht bekannte nervliche Störung stellt der Ausfall des Geruchs- und Geschmackssinnes dar. Er gilt als typisches, früh auftretendes Symptom und soll in etwa 10 bis 20 Prozent der Fälle längere Zeit bestehen bleiben.

Aber auch andere neurologische Probleme machen sich bemerkbar. So steigert Covid-19 etwa das Risiko eines Schlaganfalles mit seinen möglichen Langzeitfolgen, was von manchen anderen Atemwegsleiden ebenfalls bekannt ist. Etwa zwei bis drei Prozent der Covid-19-Patienten erleiden einen Schlaganfall durch ein Gerinnsel oder eine Hirnblutung, heißt es in der Behandlungsleitlinie. Auch weitere durch Gerinnsel in Blutgefäßen entstehende, teils folgenschwere Komplikationen gelten als mögliche Auswirkung von Covid-19, beispielsweise Lungenembolien.

Viele Untersuchungen zu Folgen der Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 schließen Patienten ein, die wegen der Infektionskrankheit in einer Klinik waren. Doch betreffen länger anhaltende Nachwirkungen auch Menschen, die man trotz der Infektion nicht in einer Klinik behandeln musste? Ausschließen kann man das offenkundig nicht. In der Behandlungsleitlinie steht dazu: "Das ›Post-Covid-19-Syndrom‹ kann unabhängig von der Schwere der Erkrankung auftreten, also auch bei Patienten, die nur leicht erkrankt waren und ambulant behandelt wurden." Britischen Untersuchungen zufolge beklagte etwa ein Zehntel der Patienten, die eine mildere Covid-19-Erkrankung zu Hause auskurierten, Symptome über mehr als vier Wochen.

Folgewirkungen nicht nur bei Covid-19

Dass Infektionskrankheiten mitunter länger nachwirken, ist sicher nicht nur eine Eigenheit von Covid-19. Die eingangs erwähnte klinische Behandlungsleitlinie nennt als weitere Beispiele das Pfeiffersche Drüsenfieber oder Erkrankungen durch das Cytomegalievirus. Nicht vergessen darf man, dass eine längere intensivmedizinische Behandlung für sich genommen bereits länger spürbar bleiben kann. Berücksichtigen muss man zudem, dass die Krankheit Covid-19 noch nicht lange bekannt ist. Welche besonderen Auswirkungen im weiteren Verlauf bestehen bleiben und wie viele Patienten sie erleiden, muss daher die Zukunft zeigen. Teils versucht man, Rückschlüsse aus bereits etwas besser bekannten Langzeitwirkungen der 2002/2003 ebenfalls durch ein Coronavirus ausgelösten SARS-Pandemie zu ziehen.

So ergab eine Untersuchung unter SARS-Überlebenden aus Hongkong, dass vier Jahre nach der Infektion noch 40 Prozent unter Fatigue-Symptomen litten. Allerdings kann man solche Ergebnisse nicht eins zu eins auf die Situation bei Covid-19 übertragen. Immerhin aber gibt es für Covid-19-Patienten, die sich nach der akuten Krankheitsphase weiter sehr unwohl fühlen, in einigen Kliniken erste gezielte Angebote zur Nachsorge. Besser aber als sich darauf stützen zu müssen, ist eine gute Vorsorge. Dazu dient die AHA-L-Regel: genug Abstand wahren, auf Handhygiene
achten, Alltagsmasken tragen und Räume öfter lüften. Hilfreich außerdem: die Corona-Warn-App nutzen.

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