Biologische Uhr bei Männern: RNA im Sperma verändert sich

Elisabeth Kerler  |  20.01.2026 14:11 Uhr

Was das Alter des Mannes für den Kinderwunsch bedeuten kann: Eine Studie zeigt altersbedingte Veränderungen der RNA im Sperma.

Mann mit einzelnen, grauen Strähnen im Bart, hält ein Baby im Arm.
Tickt auch bei Männern die biologische Uhr? Ein Forschungsteam entdeckte eine molekulare Uhr im Sperma.
© Halfpoint/iStockphoto

Lange galt das Alter des Mannes beim Kinderwunsch als weniger relevant. Doch auch im männlichen Sperma laufen altersabhängige Veränderungen ab, wie eine Studie ergeben hat. Diese betreffen nicht nur das Erbgut, die DNA, direkt, sondern auch die RNA. Das könnte eine Rolle für die Gesundheit der nächsten Generation spielen. Denn, so die University of Utah Health, mit dem wachsenden Alter des Vaters ginge ein höheres Risiko für Übergewicht und Totgeburt einher. 

Sperma enthält mehr als nur Erbgut

Spermien transportieren nicht nur DNA, sondern auch verschiedene RNA-Moleküle, die Zellprozesse steuern. Das Forschungsteam analysierte, wie sich diese RNA mit dem Alter verändert. Dafür hatten 47 Männer im Alter von 25 bis 51 Jahren Sperma gespendet. Acht Männer spendeten zweimal, im Abstand von 6 bis 23 Jahren.

RNA-Moleküle länger mit dem Alter 

Dabei zeigte sich sowohl bei Mäusen als auch beim Menschen ein ähnliches Muster: Bestimmte RNA-Bestandteile verändern sich schrittweise über die Jahre hinweg. So werden mit ansteigendem Alter lange RNA-Moleküle häufiger, während kurze RNA-Moleküle seltener werden. Einen deutlichen Umschwung entdeckte das Forschungsteam im mittleren Lebensalter von Menschen und Mäusen.

„Es sieht so aus, als hätten wir eine molekulare Uhr gefunden, die mit dem Alter sowohl in Mäusen als auch Menschen voranschreitet“, erklärt Studienautor Qui Chen in einer Mitteilung zur Veröffentlichung. Das lege nahe, dass diese Signatur für das Spermienalter über die evolutionäre Entwicklung hinweg erhalten geblieben sei. 

Hinweise auf mögliche Auswirkungen für Nachkommen

Um die Bedeutung dieser Veränderungen besser einzuordnen, testete das Forschungsteam sogenannte „alte RNA“ an frühen Stammzellen von Mäusen. Dabei zeigten sich Veränderungen in Genen, die mit Stoffwechselprozessen und neurodegenerativen Erkrankungen in Verbindung stehen. Das liefert Hinweise darauf, wie altersbedingte RNA-Veränderungen im Sperma die Entwicklung von Nachkommen beeinflussen könnten. Denn: Die relevanten RNA-Muster fanden sich ausschließlich im Kopf der Spermien, also in dem Teil, der in die Eizelle gelangt. 

Bedeutung für Beratung und Forschung

Die Ergebnisse könnten langfristig helfen, altersbedingte Veränderungen der männlichen Fruchtbarkeit besser zu verstehen. Perspektivisch sehen die Forschenden auch Potenzial für neue diagnostische Ansätze, die Männer bei informierten Entscheidungen rund um den Kinderwunsch unterstützen könnten.

Quelle: 10.1038/s44318-025-00687-8 

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