Leicht unterschiedliche Messwerte an beiden Armen gelten beim Blutdruck als normal. Doch wenn der systolische, obere Wert an einem Arm deutlich höher liegt als am anderen, kann das mehr bedeuten als eine Messungenauigkeit. Genau darauf weist eine Auswertung im Fachjournal “Hypertension Research” hin. Besonders auffällig dabei: Ein erhöhter Blutdruck im linken Arm war mit einem höheren Risiko verbunden, später an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder anderen Ursachen zu sterben.
Wenn links deutlich höhere Werte auftauchen
Grundlage war eine Studie mit 8628 Erwachsenen aus China ab 40 Jahren. Keiner der Teilnehmer hatte zu Beginn einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten. Über knapp zehn Jahre verfolgten die Forscher die Gesundheit der Teilnehmer weiter. Gemessen wurde der Blutdruck gleichzeitig an beiden Armen. Dabei zeigte sich:
- Menschen mit einem systolischen Unterschied von mindestens 10 mmHg zwischen beiden Armen hatten ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Todesfälle und eine höhere Gesamtsterblichkeit.
- Besonders deutlich war der Zusammenhang, wenn der linke Arm einen um mindestens 10 mmHg höheren Wert zeigte als der rechte.
- War dagegen der rechte Arm höher, zeigte sich dieser Zusammenhang nicht eindeutig.
Die Autoren sprechen ausdrücklich von einem Zusammenhang, nicht von einem Beweis für Ursache und Wirkung.
Was hinter unterschiedlichen Blutdruckwerten stecken kann
Ein deutlicher Blutdruckunterschied zwischen beiden Armen kann auf Veränderungen der Blutgefäße hinweisen. Dazu gehören Verengungen der Arterien oder eine erhöhte Gefäßsteifigkeit. Beides gilt als möglicher Hinweis auf fortgeschrittene Arteriosklerose.
Die Forscher vermuten außerdem anatomische Gründe dafür, warum besonders ein höherer Wert im linken Arm auffiel. Die linke Schlüsselbeinarterie entspringt direkt aus der Hauptschlagader, fachsprachlich Aorta. Dadurch könnte ein erhöhter Wert links empfindlicher auf Veränderungen an der Aorta reagieren. Bewiesen ist diese Erklärung bisher allerdings nicht.
Blutdruck am besten an beiden Armen messen
Der Beitrag verweist darauf, dass unterschiedliche Werte zwischen beiden Armen in der Praxis häufig vorkommen. Frühere Analysen zeigten bereits, dass solche Unterschiede mit Schlaganfällen, Gefäßerkrankungen und einer erhöhten Herz-Kreislauf-Sterblichkeit zusammenhängen können.
Ein weiteres Problem: Wird nur der Arm mit dem niedrigeren Wert gemessen, kann Bluthochdruck unter Umständen übersehen werden. Das könnte dazu führen, dass eine Behandlung zu spät beginnt oder falsch eingeschätzt wird.
Deshalb empfehlen die Autoren, den Blutdruck zumindest einmal an beiden Armen zu kontrollieren. Gerade bei Menschen mit Bluthochdruck oder anderen Herz-Kreislauf-Risiken könnte das zusätzliche Hinweise liefern.
Warum die Ergebnisse vorsichtig bewertet werden müssen
Die Untersuchung zeigt lediglich statistische Zusammenhänge. Ob der erhöhte Blutdruckunterschied tatsächlich direkt zur höheren Sterblichkeit beiträgt, bleibt offen. Außerdem stammen die Daten ausschließlich aus einer chinesischen Bevölkerungsgruppe. Weitere Studien sollen nun prüfen, ob sich die Ergebnisse auch in anderen Ländern bestätigen lassen.
Quelle: DOI 10.1038/s41440-025-02361-2