Chronische Schmerzen: Wer Gefühle schlecht erkennt, leidet mehr

Katrin Faßnacht-Lee  |  18.05.2026 15:41 Uhr

Langzeitstudie: Der Zugang zu den eigenen Gefühlen bestimmt mit, wie stark chronische Schmerzen den Alltag beeinträchtigen.

Junge Frau und junger Mann unterhalten sich, sie wirkt überrascht oder verständnislos. Beide liegen auf einem Teppich.
Die eigenen Emotionen in Worte fassen fällt schwer? Damit ging in einer Studie bei Menschen mit chronischen Schmerzen eine höhere psychische Belastung einher.
© Dragos Condrea/iStockphoto

Menschen mit chronischen Schmerzen sind im Alltag stärker eingeschränkt, wenn sie ihre eigenen Gefühle schlecht wahrnehmen oder ausdrücken können. Eine große Studie zeigt: Das erhöht die psychische Belastung und erschwert den Umgang mit den Schmerzen.

Alexithymie: Wenn die eigenen Gefühle kaum zu erkennen und schwer zu beschreiben sind

Manche Menschen können ihre eigenen Gefühle schwer erkennen und in Worte fassen. In der Fachsprache nennt man das: Alexithymie. Genau dieses Merkmal wurde in der Studie in Hinblick auf chronischen Schmerz genauer untersucht – mit überraschenden Ergebnissen.

Was beeinflusst chronische Schmerzen im Alltag?

Chronische Schmerzen werden in der Regel als Schmerzen definiert, die länger als drei Monate anhalten. Etwa jeder vierte Erwachsene leidet laut US-Gesundheitsbehörden mitunter an chronischen Schmerzen. Bei rund 8 Prozent sind die Schmerzen so stark, dass sie die Menge an körperlicher Arbeit, die sie täglich verrichten können, einschränken.

Mehr Menschen mit chronischen Schmerzen haben Alexithymie

Forschende an der Johns Hopkins Medicine begleiteten über zwei Jahre mehr als 1.400 Erwachsene mit chronischen Schmerzen. Sie wollten wissen, wie die Wahrnehmung eigener Gefühle auf chronischen Schmerz auswirkt. Studienleiterin Rachel Aaron erklärt: „Frühere Studien haben gezeigt, dass Alexithymie bei Menschen mit chronischen Schmerzen häufiger vorkommt. Wir wussten jedoch nicht, ob sie die Schmerzen verschlechtert oder umgekehrt.“

Schlechter Zugang zu eigenen Gefühlen verstärkt die Belastung

Die Kernergebnisse der Studie waren:

  • Schwierigkeiten im Umgang mit Emotionen erhöhen langfristig die psychische Belastung
  • Stress, Angst und Depression verstärken die Einschränkungen durch Schmerzen
  • Die Schmerzintensität selbst bleibt davon weitgehend unbeeinflusst
  • Schlechter Zugang zu eigenen Gefühlen ist ein Risikofaktor für stärkere Einschränkungen durch chronische Schmerzen – keine Folge davon 

Studie zeigt: Psychologische Ansätze sind wichtiger Bestandteil der Schmerztherapie

Die Studie zeigt deutlich: Nicht nur körperliche, sondern auch emotionale Faktoren beeinflussen, wie stark chronische Schmerzen den Alltag bestimmen. Die Autoren schließen daraus, dass psychologische Ansätze – insbesondere zur Verbesserung der Emotionswahrnehmung und zur Reduktion von Stress – ein wichtiger Bestandteil der Schmerztherapie sein sollten. Ziel ist es, die Lebensqualität langfristig zu verbessern.

Quelle: DOI 10.1037/hea0001604

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