Wenn der Kopf mal wieder dröhnt oder der Rücken zwickt – dann will man im Alltag womöglich alles zu perfekt erledigen. Chronische Schmerzen scheinen nämlich eng zusammenzuhängen mit psychologischen Faktoren wie Perfektionismus, Selbstmitgefühl und Selbstwirksamkeit. Das haben zwei Studien ergeben.
Rückenschmerzen, Migräne und Arthritis häufig
Dafür hat das Team um Dr. Graeme Ditchburn von der Murdoch University School of Psychology Erwachsene bis zu einem Alter von 65 Jahren untersucht:
- 531 Personen berichteten seit mehr als drei Monaten von chronischen Schmerzen, am häufigsten Rückenschmerzen, Migräne und Arthritis.
- 515 Personen waren schmerzfrei.
Wer chronische Schmerzen hat, will eher Erwartungen genügen
Die erste Studie ergab: Personen mit chronischen Schmerzen hatten ein deutlich höheres Maß an sozial vorgeschriebenem Perfektionismus: Sie versuchten also den Erwartungen anderer zu genügen. Gleichzeitig hatten sie ein geringeres Maß an Selbstmitgefühl als Menschen ohne Schmerzen.
Die zweite Studie ergänzt, dass auch die Selbstwirksamkeit bei Betroffenen oft niedriger ist. Dagegen wiesen Personen mit hohen werten für selbstorientierten Perfektionismus – also das Bestreben die eigenen Zielsetzungen zu erfüllen – und Selbstmitgefühl auch hohe Werte für Selbstwirksamkeit auf.
Schmerzpatienten erleben Frustration
Ditchburn erläutert auf der Website der Universität, dass Schmerzpatienten sich häufig selbst zu hohen Zielen drängen und Frustration erleben, wenn alltägliche Aktivitäten schwerfallen. Sie neigen dazu, Schmerzen und Belastungen als die eigene Schuld zu sehen, was ihr Selbstvertrauen und ihre Leistungsfähigkeit mindert. Diese Zusammenhänge verstärken den Stress und wirken sich negativ auf Körper und Psyche aus.
Die Ergebnisse legen seiner Auffassung nach nahe, dass es hilfreich für Betroffene sein kann, Selbstmitgefühl sowie Selbstwirksamkeit zu stärken, um perfektionistische Tendenzen zu verringern. Ein besseres Verständnis dieser Wechselbeziehungen könnte außerdem helfen, künftig weitere Ansätze zur Schmerzbewältigung zu finden.
DOI: 10.1080/08870446.2025.2552227