ArzneimittelGesundheit

Cannabis-Medikament gegen Rückenschmerzen wird geprüft

dh/PZ/NK  |  27.08.2021

Unter chronischen Rückenschmerzen leiden Millionen von Menschen in Deutschland. Künftig könnte es für dieses Leiden ein neues Medikament auf Basis einen speziellen Cannabis-Vollextrakts geben: Seit Mai läuft dazu eine Phase-III-Studie mit 800 Patienten an rund 100 qualifizierten Schmerzzentren in Deutschland und Österreich.

Älterer Mann mit Kreuzschmerzen, sitzt auf seinem Bett.
Unter Rückenschmerzen leiden Millionen Menschen in Deutschland.
© Ridofranz/iStockphoto

Bislang gibt nur wenige Fertigarzneimittel auf Cannabis-Basis, beispielsweise für Patienten mit Multipler Sklerose, Epilepsie oder für Krebspatienten, die unter starker chemotherapiebedingter Übelkeit und Erbrechen leiden. Zudem gibt es noch kein zugelassenes Fertigarzneimittel auf Basis eines Cannabis-Vollextrakts. Das bayerische Unternehmen Vertanical will nun eine Therapielücke für Patienten mit chronischen Rückenschmerzen schließen und hat dazu im Mai eine Phase-III-Studie mit einem neuen Fertigarzneimittel gestartet. „Wir wollen ein Schmerzmittel etablieren, das eine potente und verträgliche Alternative zur Behandlung mit Opioiden darstellt«, erklärte Dr. Clemens Fischer, Gründer von Vertanical und Mediziner. Die ersten Ergebnisse der Studie erwartet die Firma in der zweiten Jahreshälfte 2022. Mit einer Zulassung gegen chronische Rückenschmerzen ist also nicht vor 2023 zu rechnen.

Das Präparat hat bisher noch keinen Markennamen und läuft unter dem Kürzel VER-01. Es handelt sich um einen Cannabis-Vollextrakt in einer flüssigen Zubereitung in Sesamöl zur oralen Anwendung, teilte Vertanical auf Nachfrage mit. Er basiert auf einer eigenen Züchtung. Das genaue Verhältnis der Hauptcannabinoide Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) wollte die Firma noch nicht verraten, da man derzeit noch eine Patentierung der Pflanze prüfe. Man habe diese aus mehr als 500 Pflanzengenetiken für ein bestmögliches Therapieergebnis speziell bei Rückenschmerzen selektiert. Laut Studienprotokoll enthält das Arzneimittel 21 mg THC pro Gramm Arzneimittel.

Der Effekt, Langzeitsicherheit und ein mögliches Abhängigkeitspotenzial werden nun bei Patienten mit (länger als drei Monate anhaltenden Kreuzschmerzen in einer randomisierten, placebokontrollierten, doppelblinden Studie über bis zu 18 Monate geprüft. Die Studienteilnehmer leiden unter mindestens mittelschweren Schmerzen und haben zuvor auf eine Therapie mit Nicht-Opioid-Analgetika wie Ibuprofen, ASS oder Metamizol nicht ausreichend angesprochen oder diese war für sie nicht geeignet. Es werden derzeit noch Probanden gesucht, die mehr Informationen über die Teilnahme unter www.studie-rueckenschmerzen.de finden.

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