Cannabis, CBD & Co.: Nutzen gegen chronische Schmerzen geringer als erwartet

Pharmazeutische ZeitungRüdiger Freund  |  03.01.2026 10:15 Uhr

Cannabis gilt vielen als Hoffnungsträger bei chronischen Schmerzen. Eine große aktuelle Auswertung zeigt jedoch: Der tatsächliche Nutzen ist meist gering und oft mit spürbaren Nebenwirkungen verbunden.

Ältere Frau hält sich die Hand.
Bei chronischen Schmerzen wird in der Therapie bisweilen Hoffnung auf Cannabis gesetzt.
© Motortion/iStockphoto

Cannabis bei chronischen Schmerzen in der Forschung

Die Erwartungen an medizinisches Cannabis sind hoch. Wissenschaftliche Studien zeichnen aber ein deutlich nüchterneres Bild. Eine aktuelle Übersichtsarbeit hat untersucht, wie wirksam cannabisbasierte Medikamente bei chronischen Schmerzen wirklich sind. Das Ergebnis: Nur wenige Präparate lindern Schmerzen überhaupt. Und selbst dann ist der Effekt eher klein.

Welche Präparate wurden untersucht?

Ausgewertet wurden 25 hochwertige Studien mit insgesamt 2303 Patienten, die ein bis sechs Monate behandelt wurden. Untersucht wurden ausschließlich pharmazeutische Cannabis-Präparate, darunter

  • Nabilon, ein synthetisches THC-Analogon
  • Dronabinol, synthetisches THC
  • Nabiximols, ein Mundspray mit THC und CBD
  • reines CBD

Geringe Schmerzlinderung, große Unterschiede

Am deutlichsten wirkte Nabilon. Es senkte neuropathische Schmerzen im Durchschnitt um rund 1,6 Punkte auf einer Skala von 0 bis 10. Das gilt als moderater Effekt.
Dronabinol zeigte dagegen kaum Wirkung.
Nabiximols führte nur zu einer leichten Schmerzminderung. Zudem verbesserte sich die Alltagsfunktion der Patienten kaum.
Besonders klar fiel das Ergebnis bei CBD aus. In mehreren Studien zeigte es keine relevante Schmerzlinderung und auch keine funktionellen Verbesserungen.

Nebenwirkungen nicht unterschätzen

THC-haltige Präparate verursachten häufig Nebenwirkungen. Dazu zählen vor allem

  • Schwindel
  • Müdigkeit oder Sedierung
  • Übelkeit

Fast jeder dritte Patient hatte Schwindel. Viele brachen die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab. Gerade für ältere Menschen oder Personen mit Sturzrisiko ist das problematisch.

Kritische Einordnung der Experten

Dr. Ziva Cooper von der University of California weist darauf hin, dass Cannabis zwar häufig bei chronischen Schmerzen eingesetzt wird, aber bislang kein Produkt dafür offiziell in den USA zugelassen ist. 

Zusammenfassend belegt die Übersichtsarbeit, dass bestimmte pharmazeutische Cannabinoid-Präparate, insbesondere Nabilon und Nabiximols, kurzfristige Schmerzlinderungen bei neuropathischen Schmerzen bewirken können. Diese Effekte fallen jedoch nur gering bis moderat aus und gehen mit erheblichen Nebenwirkungen einher. Die Faktenlage stützt die weit verbreitete Anwendung von CBD zur Behandlung von chronischen Nervenschmerzen nicht.

Quelle: DOI 10.7326/ANNALS-25-03152

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