Ab wann wird Cannabis-Konsum krankhaft? In einer Studie mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat ein Forschungsteam dafür Schwellenwerte berechnet. Doch es gibt keinen risikofreien Konsum, erklären Experten.

Wann geht Cannabis-Konsum in eine Abhängigkeit über? Eine britische Studie hat konkrete Schwellenwerte für die Cannabis-Konsumstörung berechnet. Die Ergebnisse sollen helfen, Risiken besser einzuschätzen – ersetzen aber keinen verantwortungsvollen Umgang.
Von einer Cannabis-Konsumstörung sprechen Fachleute, wenn Betroffene mehr konsumieren als geplant oder wenn Schule, Arbeit oder andere wichtige Verpflichtungen unter dem Konsum leiden. Vereinfacht gesagt geht es um den Punkt, an dem Cannabis-Konsum krankhafte Züge annimmt.
Ein Forschungsteam hat die Zahlen in Zusammenhang mit der britischen CannTeen-Studie erarbeitet, für die es in Summe 150 Jugendliche und junge Erwachsene über ein Jahr hinweg zu ihrem Konsum befragt hat. Grundlage waren sogenannte THC-Units (Delta-9-Tetrahydrocannabinol), wobei eine Einheit 5 Milligramm THC entspricht. Am Ende der Studie untersuchte das Team bei allen Teilnehmenden, ob sie eine Cannabis-Konsumstörung entwickelt hatten.
Die Auswertung zeigt:
Für eine moderate bis schwere Konsumstörung lagen die Schwellen bei Erwachsenen bei 13,44 Units, bei Jugendlichen bei 6,45 Units pro Woche.
Die Forschenden betonen, dass diese Schwellenwerte vor allem als Orientierung dienen sollen – etwa für ärztliche Gespräche oder zur Früherkennung problematischen Konsums. Gleichzeitig machen sie klar: Einen wirklich risikofreien Cannabis-Konsum gibt es nicht. Als sicher gilt nur der vollständige Verzicht.
Dr. Jakob Manthey vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sieht solche Grenzwerte als hilfreiches Instrument zur Risikokommunikation. Er warnt jedoch davor, Konsum unterhalb der Schwellen automatisch als unbedenklich zu verstehen. Manche Personen könnten auch schon unter den ermittelten Schwellenwerten negative Symptome entwickeln. Zudem weist er auf methodische Grenzen der Studie hin – etwa die relativ kleine Teilnehmerzahl, unklare THC-Gehalte der konsumierten Produkte und unterschiedliche Konsumformen.
Professor Dr. David Nutt vom Imperial College London plädiert für einen regulierten Markt mit transparenter Produktqualität. So wissen Konsumierende, wie viel THC sie tatsächlich aufnehmen. Außerdem erklärt er: „Außerdem ist es für Nutzende von verschriebenem medizinischem Cannabis wichtig zu wissen, dass diese Produkte aufgrund ihrer Beschaffenheit (erheblicher Cannabidiol-Gehalt), ihrer Verabreichungsform (Öle) und der Art ihrer Verwendung (das heißt nicht zum Erreichen eines Rausches) ein geringeres Suchtpotenzial aufweisen“.
Quelle: DOI 10.1111/add.70263
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