Insulinresistenz als Risikofaktor für Krebs: KI-Modell entdeckt Zusammenhang bei zwölf Krebsarten

Dr. Karen Zoufal  |  02.03.2026 14:20 Uhr

Insulinresistenz gilt als zentrale Ursache für Typ-2-Diabetes. Doch sie wirkt sich offenbar weit darüber hinaus aus. Eine neue Studie zeigt: Auch das Risiko für mehrere Krebsarten steigt. Ein KI-Modell hilft, gefährdete Personen frühzeitig zu erkennen.

Pflegerin misst Frau den Blutzucker.
Der Body-Mass-Index ist kein idealer Messwert, um das Risiko für eine Insulinresistenz zu bestimmen.
© Jacob Wackerhausen/iStockphoto

Was ist Insulinresistenz – und warum ist sie so relevant?

Bei einer Insulinresistenz reagieren Körperzellen schlechter auf das Hormon Insulin. Die Folge: Der Blutzuckerspiegel bleibt erhöht, weil der Zucker nicht ausreichend in die Zellen gelangt. Auf Dauer kann sich daraus ein Typ-2-Diabetes entwickeln. Zudem begünstigt Insulinresistenz Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenschäden und Lebererkrankungen. Jetzt zeigt eine neue Untersuchung: Auch das Krebsrisiko kann steigen.

KI-Modell AI-IR erkennt Insulinresistenz präziser

Ein Forschungsteam entwickelte das KI-Modell AI-IR. Es nutzt neun medizinische Parameter, die sich bei regulären Gesundheitsuntersuchungen erfassen lassen. Daraus berechnet das System einen Messwert, der Insulinresistenz zuverlässig vorhersagt.

„Durch die Kombination von neun klinischen Parametern zu einem einzigen Messwert kann AI-IR Insulinresistenz erkennen, die der BMI allein nicht erklären kann“, sagte Yuta Hiraike vom Universitätsklinikum Tokio. Das Modell geht damit einen entscheidenden Schritt weiter als herkömmliche Methoden.

Warum der BMI oft nicht ausreicht

Bislang dient häufig der Body-Mass-Index, kurz BMI, als Anhaltspunkt für das Risiko einer Insulinresistenz. Doch der BMI hat Schwächen. Manche Menschen mit Übergewicht haben einen vergleichsweise gesunden Stoffwechsel. Andere entwickeln trotz Normalgewicht eine Insulinresistenz. Der BMI berücksichtigt weder Fettverteilung noch individuelle Stoffwechselprozesse. Deshalb kann er das Risiko nur grob abschätzen.

Laut den Forschenden zeigt AI-IR diese Schwächen nicht. In der Fachzeitschrift „Nature Communications“ berichten sie, dass das Modell unter unterschiedlichen Bedingungen eine hohe Vorhersagekraft und Robustheit bewies.

Erstmals bevölkerungsweite Belege für Zusammenhang mit Krebs

Die Studienergebnisse gehen noch weiter. Das Team fand Hinweise darauf, dass Insulinresistenz das Risiko für zwölf verschiedene Krebsarten erhöht, u.a. der Nieren, der Bauchspeicheldrüse, des Darms oder für Brustkrebs.

„Obwohl ein möglicher Zusammenhang zwischen Insulinresistenz und Krebs bereits vermutet wurde, gab es aufgrund der klinisch schwer messbaren Insulinresistenz bisher nur wenige groß angelegte Studien. Mit AI-IR haben wir nun erstmals bevölkerungsweite Belege dafür geliefert, dass Insulinresistenz ein Risikofaktor für Krebs ist“, sagte Hiraike. Damit liefert die Studie erstmals breite Daten, die den Zusammenhang zwischen Insulinresistenz und Krebs untermauern.

Chancen für Prävention und Früherkennung

Die neun Parameter, die AI-IR nutzt, lassen sich unkompliziert im Rahmen von Routineuntersuchungen erheben. Das eröffnet neue Möglichkeiten für Prävention und gezieltes Screening. „So kann AI-IR Risikopersonen identifizieren und ein gezieltes Screening auf Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs ermöglichen“, erklärte Hiraike.

Für Patienten bedeutet das: Wer sein individuelles Risiko kennt, kann früh gegensteuern. Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Gewichtsregulation bleibt weiterhin eine zentrale Maßnahme, um Insulinresistenz vorzubeugen oder zu verbessern.

Quelle: DOI 10.1038/s41467-026-68355-x

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