Überblick
Keuchhusten (Pertussis) ist eine hochansteckende bakterielle Infektion der Atemwege, die durch das Bakterium Bordetella pertussis verursacht wird. Die Erkrankung verläuft meist in drei Phasen und kann mehrere Wochen andauern – typisch sind krampfartige Hustenanfälle, oft begleitet von einem keuchenden Einatemgeräusch.
Besonders gefährlich ist Keuchhusten für ungeimpfte Säuglinge – bei ihnen kann es zu Atemstillständen, Lungenentzündungen oder sogar zum Tod kommen. Aber auch Jugendliche und Erwachsene erkranken zunehmend, oft mit atypischem Verlauf ohne das klassische „Keuchen“, was die Diagnose erschwert.
Die beste Vorbeugung ist eine Schutzimpfung, die im Kindesalter beginnt und regelmäßig aufgefrischt werden sollte – auch im Erwachsenenalter und vor allem bei Kontakt mit kleinen Kindern. Keuchhusten nimmt wieder zu – 2024 wurden über 55.000 Fälle gemeldet – die höchste Zahl seit Einführung der Meldepflicht. Doch nur etwa die Hälfte der Erwachsenen ist ausreichend geimpft.
Symptome von Keuchhusten
Keuchhusten verläuft typischerweise in drei Phasen und dauert insgesamt sechs bis zehn Wochen oder länger. Besonders tückisch: In der ersten Phase ähnelt die Erkrankung einem harmlosen Infekt – erst später entwickeln sich die typischen Hustenanfälle.
Phase 1 – Stadium catarrhale :
- Erste und zweite Woche
- Schnupfen, leichter Reizhusten, eventuell Fieber
- Symptome ähneln einer Erkältung
- Hohe Ansteckungsgefahr
- Meist wird die Erkrankung in dieser Phase nicht erkannt
Phase 2 – Stadium convulsivum:
- Dritte bis sechste Woche
- Krampfartige, anfallsweise Hustenattacken (vor allem nachts)
- Hustenanfälle enden oft mit einem typischen keuchenden Geräusch beim Einatmen
- Zäher Schleim, der schwer abgehustet werden kann
- Häufig Erbrechen nach Hustenanfällen
- Erschöpfung, Atemnot, Schlafstörungen
Phase 3 – Stadium decrementi:
- Ab der siebten Woche
- Hustenanfälle werden seltener, können aber noch Wochen andauern
- Allgemeinzustand bessert sich langsam
Bei Säuglingen kann Keuchhusten lebensbedrohlich sein – sie zeigen oft keinen typischen Husten, sondern Atempausen (Apnoen), Trinkschwäche oder Blauverfärbung der Lippen. Hier ist schnelle medizinische Hilfe entscheidend!
Verlauf
Keuchhusten beginnt meist harmlos – doch im weiteren Verlauf entwickelt sich eine langwierige Erkrankung, die insbesondere für Säuglinge gefährlich werden kann.
Ohne Behandlung bleibt die Infektion oft über viele Wochen bestehen. Man spricht auch vom „100-Tage-Husten“. Die Hustenanfälle können so stark sein, dass es zu Atemnot, Erbrechen, Schlafstörungen oder Rippenbrüchen kommt. In schweren Fällen drohen Komplikationen wie Lungenentzündung, Mittelohrentzündung oder Krampfanfälle. Besonders bei ungeimpften Säuglingen sind auch Atemstillstände möglich.
Mit frühzeitiger Behandlung, insbesondere in der ersten Phase, kann der Verlauf abgeschwächt werden. Antibiotika verkürzen die Dauer der Ansteckungsfähigkeit, lindern jedoch nur in der Frühphase die Symptome. Trotz Impfung kann Keuchhusten auftreten – der Verlauf ist dann aber in der Regel milder und kürzer.
Ursachen von Keuchhusten
Keuchhusten wird durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst. Die Ansteckung erfolgt über Tröpfcheninfektion – also beim Husten, Niesen oder Sprechen. Bereits wenige Tage nach der Ansteckung sind Betroffene hoch ansteckend – oft, bevor sie selbst merken, dass es Keuchhusten ist.
Hauptursachen:
- Ansteckung durch engen Kontakt mit Erkrankten
- Mangelhafter Impfschutz – entweder ungeimpft oder Auffrischung vergessen
- Abnehmender Impfschutz – der Schutz durch die Impfung lässt nach fünf bis zehn Jahren deutlich nach
Risikogruppen:
- Ungeimpfte Säuglinge haben das höchste Risiko für schwere Verläufe und Komplikationen
- Schwangere, bei denen eine Infektion auf das Neugeborene übergehen kann
- Erwachsene ohne Auffrischimpfung erkranken häufig, oft mit milden Symptomen, sind aber Überträger
- Personen in Gemeinschaftseinrichtungen (z. B. Kitas, Schulen, Pflegeheime)
Eine Impfung schützt zwar nicht zu hundert Prozent, kann aber den Verlauf abmildern und die Ansteckungsgefahr deutlich senken.
Diagnose
Die Diagnose von Keuchhusten ist vor allem im frühen Stadium schwierig, weil die Symptome zunächst wie ein harmloser Infekt wirken. Gerade bei Erwachsenen verläuft die Erkrankung oft ohne das typische „Keuchen“.
Typische Schritte zur Diagnose:
- Anamnese: Wie lange besteht der Husten? Gibt es nächtliche Hustenanfälle, Erbrechen oder Kontakt zu Erkrankten?
- Klinische Untersuchung: Abhören der Lunge, Beobachtung der Hustensymptomatik
- Erregernachweis über Rachenabstrich für einen PCR-Test. Dieser Schnelltest ist besonders in den ersten drei Wochen sinnvoll.
- Bluttest auf Antikörper bei längerem Verlauf.
Bei Säuglingen oder immungeschwächten Personen erfolgt oft eine stationäre Überwachung, um Atempausen oder Komplikationen frühzeitig zu erkennen.
Keuchhusten (Pertussis) ist in Deutschland meldepflichtig. Ärztinnen und Ärzte sowie Labore sind verpflichtet, den Verdacht, die Erkrankung oder den Erregernachweis dem Gesundheitsamt zu melden – auch ohne Zustimmung der betroffenen Person. Wer selbst erkrankt ist, muss nichts unternehmen, aber Kontaktpersonen können vom Gesundheitsamt informiert und zu Schutzmaßnahmen (z. B. Antibiotikaprophylaxe) aufgefordert werden.
Behandlung von Keuchhusten
Die Behandlung von Keuchhusten richtet sich nach dem Alter, dem Krankheitsstadium und dem allgemeinen Gesundheitszustand. Ziel ist es, die Beschwerden zu lindern, Komplikationen zu vermeiden und die Ansteckungsgefahr zu verringern.
Medikamentöse Behandlung:
- Antibiotika (zum Beispiel Azithromycin, Clarithromycin oder Erythromycin) sind vor allem in den ersten zwei Krankheitswochen wirksam – sie verkürzen die Ansteckungszeit und können den Verlauf abmildern
- Bei spätem Beginn der Therapie lindern Antibiotika die Symptome meist nicht mehr, verringern aber dennoch die Ansteckungsgefahr
- Bei Komplikationen (zum Beispiel Lungenentzündung) ist eine gezielte Zusatzbehandlung erforderlich
Begleitende Maßnahmen:
- Schonung und ausreichend Flüssigkeit
- Reizfreie Umgebung – besonders nachts (kein Rauch, keine trockene Heizungsluft)
- Kleine Mahlzeiten bei Husten mit Erbrechen
- In schweren Fällen: stationäre Behandlung mit Sauerstoffgabe oder Überwachung (v. a. bei Säuglingen)
Hustenmittel bringen meist keine Linderung bei Keuchhusten – sie sind in der Regel nicht wirksam und sollten nur nach ärztlicher Rücksprache eingesetzt werden.
Was die Apotheke rät
- Pflanzliche Reizhustentees oder Lutschpastillen mit Spitzwegerich, Isländisch Moos oder Eibisch beruhigen gereizte Atemwege
- Inhalationen mit Kochsalzlösung befeuchten die Atemwege und erleichtern das Abhusten
- Nasensprays auf Meerwasserbasis halten die Schleimhäute feucht – vor allem bei gleichzeitigem Schnupfen
- Erkältungsbalsame mit ätherischen Ölen (zum Beispiel mit Thymian oder Eukalyptus) können das Durchatmen erleichtern – für Kinder nur geeignete Präparate verwenden (keine Produkte mit Kampfer!)!
- Immunstärkende Mikronährstoffe wie Zink oder Vitamin C können in der Erholungsphase unterstützend wirken
Kurz zusammengefasst
- Keuchhusten ist eine hochansteckende bakterielle Infektion mit langanhaltenden Hustenanfällen
- Besonders gefährlich ist die Erkrankung für Säuglinge – hier kann es zu Atemstillständen kommen
- Typisch sind heftige, krampfartige Hustenanfälle, die Wochen andauern können
- Antibiotika sind in der Frühphase wirksam und senken die Ansteckungsgefahr
- Die beste Vorbeugung ist die Impfung – auch Erwachsene sollten regelmäßig auffrischen
zuletzt aktualisiert: 16.03.2025
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