Diphtherie

ABDATA Pharma-Daten-Service  |  20.03.2026 00:00 Uhr

Die Diphtherie ist eine in Industrieländern inzwischen sehr seltene Erkrankung. Ausgelöst wird sie durch bestimmte, weltweit vorkommende Bakterien. Gefährlich ist dabei ein von den Keimen gebildeter Giftstoff - das Diphtherietoxin. Schutz bietet eine vorbeugende Impfung.

Inhaltsverzeichnis

Krankheitsbild

Diphtherie im Rachenbereich tritt nach einem - in der Regel als Tröpfcheninfektion erfolgenden - Befall mit Corynebacterium diphtheriae auf. Die besonders bei Kindern vorkommende Kehlkopfdiphtherie kann sich von Anfang an oder als Ausweitung einer Rachendiphtherie ausbilden. Schwere Verläufe können mitunter noch Wochen nach Beginn der Erkrankung auftreten, kommen aber auch akut vor. Milde Erkrankungsverläufe gibt es vor allem bei nicht vollständig geimpften Personen oder zu lange zurückliegender Impfauffrischung. Die Erkrankung ähnelt hier einer Rachen- beziehungsweise Mandelentzündung.
Eine Haut- beziehungsweise Wunddiphtherie mit Giftstoff bildenden Diphtherie-Keimen ist hierzulande sehr selten und wird häufig in den Tropen oder Subtropen erworben.
Die Mehrzahl der in westlichen Industriestaaten erworbenen Hautinfektionen mit Diphtheriebakterien wird - anders als bei aus anderen Weltregionen importierten Fällen - durch Bakterienstämme verursacht, die keine Giftstoffe bilden, informiert das Robert Koch-Institut.
Eine überstandene Erkrankung bewirkt keine lang anhaltende Immunität, man kann also mehrmals Diphtherie haben. Vorbeugenden Schutz vor der Krankheit bieten Impfungen. Diese richten sich gegen den Giftstoff von Diphterie-Bakterien, nicht gegen diese selbst.
Ansteckend sind Patienten, solange Erreger in Sekreten und Wunden nachweisbar sind - in der Regel 2 bis 4 Wochen. Eine Antibiotika-Behandlung beendet nach etwa 2 bis 4 Tagen die Erregerausscheidung.
Insgesamt ist Diphterie hierzulande dank der Schutzimpfung selten. Diphtherie ist nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Die Erkrankung führt bei Patienten und engen Kontaktpersonen dazu, dass sie zeitweise nicht in Gemeinschaftseinrichtungen betreut oder tätig sein dürfen. Tätigkeitseinschränkungen gibt es auch für medizinischen Einrichtungen. Ärztinnen und Ärzte sowie Gesundheitsämter informieren dazu.

Symptome/Verlauf

Ist lokal der Rachenbereich betroffen, beginnt die Erkrankung meist allmählich mit Halsschmerzen, Fieber und Schluckbeschwerden. Später kommt es zu Heiserkeit, pfeifenden Atemgeräuschen, Gaumensegellähmungen und Schwellungen der vorderen Halslymphknoten. Nach zwei bis drei Tagen entzündet sich der Rachenbereich, es treten grau-weisse oder bräunliche fest haftende Beläge auf, die sich in den Gaumen, die Nase und unter Umständen bis zum Kehlkopf und noch tiefer in die Atemwege ausbreiten. Bei Befall der Nase, was vor allem bei Kleinkindern vorkommt, tritt blutiger Ausfluss auf. Die Beläge rufen einen süsslichen Geruch hervor. Je dicker sie sind und je weiter sie sich zum Kehlkopf ausbreiten, desto häufiger machen sich Beschwerden beim Schlucken, Atmen und Sprechen bemerkbar.
Bei Kehlkopfdiphtherie zeigen sich eine zunehmende Heiserkeit, bellender Husten, erschwerte Atmung, Atemnot und pfeifende Atemgeräusche, Unruhe und Blässe. Wie bei Rachendiphtherie entwickeln sich häufig Schwellungen - Oedeme -, die vom Kieferwinkel auf Ohr, Kinn, Hals und Nacken übergreifen.
Bei Haut- beziehungsweise Wunddiphtherie mit Giftstoff bildenden Diphtherie-Keimen können schmierig belegte, schmerzlose Hautgeschwüre auftreten. Verursacht werden sie oft nicht allein durch Diphtheriebakterien, sondern durch eine Mischinfektion mit noch weiteren Bakterien. Meist trifft es Stellen mit zuvor bestehenden Verbrennungen, Wunden oder Insektenstichen.

Folgen/Komplikationen

Haben nicht durch eine Impfung geschützte Menschen Rachendiphtherie, können sie schwerwiegende Atemwegsbeschwerden erleiden. Sind der Kehlkopf und womöglich noch tiefere Atemwege mitbetroffen, kommt es durch Verengung und Verlegung der Luftwege zu Atemnot und im Extremfall zum Erstickungstod.
Zudem kann es möglicherweise über den Blutkreislauf zur Ausbreitung von Diphtherietoxin im Körper kommen - als Folge einer Rachendiphtherie oder mitunter von Anfang an. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann von toxischer Diphtherie. Häufig entwickeln sich dabei auch Herzmuskel- und Nervenentzündungen. Ist das Herz betroffen, tritt schlimmstenfalls ein plötzlicher Herztod ein. Bei Nervenentzündungen sind Lähmungen von Kopf-, Gesichts-, Rumpf- und Atemmuskulatur nicht auszuschliessen.
Die Sterblichkeit der Diphtherie im Rachen- und Kehlkopfbereich liegt im Fall ungeschützter Patienten bei 5 bis 10 Prozent der Erkrankungsfälle. Bei Kindern unter 5 Jahren und Erwachsenen über 40 Jahren kann sie 20 bis 40 Prozent betragen.

Ursachen/Risikofaktoren

Diphtherie wird durch bestimmte Bakterien ausgelöst, die einen Giftstoff - das Diphtherietoxin - bilden können. Es kommt bei den drei Bakterienspezies Corynebacterium diphtheriae, Corynebacterium ulcerans und Corynebacterium pseudotuberculosis vor und ist für schwerere Krankheitsverläufe entscheidend.
Hierzulande gibt es nur wenige Diphtheriefälle, so wie in vielen anderen Industrieländern auch. Die meisten Fälle wurden in den vergangenen Jahren in subtropischen Ländern registriert, vor allem in Indien. Zudem tritt die Diphtherie in vielen Ländern Afrikas, Asiens, des Südpazifiks und Osteuropas auf, oft in Form von Ausbrüchen. Schutz für die Bevölkerung vor Ort und bei Reisen dorthin bietet eine Impfung.

Das kann helfen

Was der Arzt tun kann:

Das Wichtigste ist, dass Ärztinnen oder Ärzte den Impfstatus ihrer Patienten auch im Hinblick auf den Impfschutz gegen Diphtherie kontrollieren, sie auf Impflücken hinweisen und notwendige Impfungen durchführen. Bei Säuglingen und Kleinkindern gehört die Impfung gegen Diphtherie zu dem von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Standard-Impfprogramm. Impfungen gegen Diphtherie werden mit Kombinationsimpfstoffen durchgeführt, die sich zusätzlich noch gegen andere Infektionserreger richten.
Erkranken Menschen insbesondere an Rachendiphtherie, müssen sie umgehend in einer Klinik mit einem Gegenmittel des Diphtherietoxins und mit Antibiotika behandelt und isoliert werden. Zudem müssen Ärztinnen und Ärzte Diphtheriefälle dem zuständigen Gesundheitsamt melden. Wann Betroffene und nahe Kontaktpersonen nicht mehr infektiös sind und durch das Infektionsschutzgesetz für diese Personen festgelegte Einschränkungen für Gemeinschaftseinrichtungen oder medizinische Einrichtungen entfallen dürfen, entscheiden die behandelnden Ärztinnen und Ärzte beziehungsweise die zuständigen Gesundheitsämter.

Was man selbst tun kann:

Man sollte vor allem für einen guten Impfschutz gegen das Diphtherietoxin sorgen und diesen gemäss den Empfehlungen der STIKO alle zehn Jahre auffrischen lassen.

Quellenangaben:
Gerlach, Wagner, Wirth, Innere Medizin für Pflegeberufe, Thieme, (2006), 5. Aufl. - Hahn, Kaufmann, Schulz, Suerbaum, Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Springer, (2009), 6.Auflage - Nagel, Gürkov, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Elsevier (Urban & Fischer), (2009), 2. Auflage - Herold, Innere Medizin, Herold, (2011)

Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

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