Krankheitsbild
Haemophilus influenzae ist ein gramnegatives Bakterium, das vor allem in den oberen Atemwegen von Menschen vorkommt und nicht immer zu Symptomen führt. Es kann jedoch leichte bis sehr schwere Infektionen auslösen. Dazu gehören Infektionen der Atemwege, Mittelohrentzündungen, Hirnhautentzündungen, Epiglottitis (Entzündung des Kehldeckels) und auch Blutvergiftungen. Der Erreger wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Bestimmte Typen, insbesondere Haemophilus influenzae Typ b (Hib), verursachen besonders schwere Verläufe. Seit den 1990er Jahren werden die meisten Säuglinge jedoch gegen Hib geimpft.
Symptome/Verlauf
Die Beschwerden variieren stark je nach betroffenem Körperteil. Eine Infektion kann die Atemwege betreffen (z.B. Bronchitis), aber auch die Augen (z.B. Bindehautentzündung) oder die Ohren (Mittelohrentzündung). Eine Entzündung des Kehldeckels (Epiglottitis), ist besonders bei Kindern gefürchtet und äussert sich durch Schmerzen beim Schlucken, Atemnot und Speichelfluss. Schwerere Formen, wie Meningitis (Hirnhautentzündung), zeigen plötzlich hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Erbrechen und Bewusstseinsstörungen.
Folgen/Komplikationen
Unbehandelt kann eine Infektion mit Haemophilus influenzae sehr ernsthafte Komplikationen haben. Besonders bei invasiven Formen wie Meningitis oder Sepsis (Blutvergiftung) besteht die Gefahr bleibender Schäden oder Todesfälle. Bei Hirnhautentzündung können beispielsweise Sprach-, Hör- und geistige Beeinträchtigungen zurückbleiben. Auch eine Ausbreitung auf Gelenke, Knochen, Haut oder innere Organe ist möglich.
Ursachen/Risikofaktoren
Infektionen entstehen, wenn das Bakterium über Tröpfcheninfektion übertragen wird und sich im Körper ausbreitet. Besonders gefährdet sind Menschen mit schwachem Immunsystem, Kinder - insbesondere im Kleinkindalter -, Personen ohne funktionierende Milz, Menschen mit Sichelzellkrankheit und Menschen, die engen Kontakt zu Infizierten haben (z. B. in Kindertagesstätten oder anderen überfüllten Einrichtungen). Auch bestimmte soziale Risikofaktoren wie Obdachlosigkeit und chronische Erkrankungen können die Wahrscheinlichkeit für schwere Hib-Infektionen erhöhen.
Das kann helfen
Das macht der Arzt: Je nach Infektionsort und Schwere wird eine geeignete antibiotische Therapie begonnen. Bei schweren Infektionsverläufen erfolgt die Antibiotikatherapie oft intravenös in einem Krankenhaus.
Das kann man selbst tun: Vorbeugend wichtig ist die Impfung gegen Hib, die seit vielen Jahren Teil des Standardimpfplans für Säuglinge und Kleinkinder ist und schwere Erkrankungen stark reduziert. In besonderen Ausbruchssituationen hat die STIKO ihre Empfehlungen ausgeweitet, sodass auch ältere Kinder und Erwachsene mit erhöhtem Risiko geimpft werden sollen.
Quellenangaben:
Hahn, Kaufmann, Schulz, Suerbaum, Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Springer, (2009), 6.Auflage - Nagel, Gürkov, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Elsevier (Urban & Fischer), (2009), 2. Auflage - Herold, Innere Medizin, Herold, (2011)
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.