Welcher Blutdruckwert ist wichtiger? Der obere oder der untere?

Dr. Karen Zoufal  |  23.03.2026 13:07 Uhr

Blutdruckwerte sorgen oft für Verwirrung: Welcher Wert ist eigentlich wichtiger – der obere oder der untere? Eine große Studie bringt Klarheit und zeigt, warum beide Zahlen eine Rolle spielen können. Besonders für jüngere Menschen lohnt sich ein genauer Blick.

Ältere Frau, misst ihren Blutdruck.
Da ein hoher Blutdruck nur sehr selten Symptome verursacht, ist es wichtig, regelmäßig die eigenen Werte zu kontrollieren.
© Julio Rivalta/iStockphoto

Blutdruck verstehen: Was sagen die Werte wirklich aus?

Beim Blutdruck werden immer zwei Zahlen gemessen: der systolische (obere) und der diastolische (untere) Wert. Der systolische Wert zeigt, mit welchem Druck das Herz Blut in die Arterien pumpt. Der diastolische Wert beschreibt den Druck zwischen zwei Herzschlägen.

Für Ärzte gilt der obere Wert meist als entscheidend, wenn es um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen geht. Er liefert besonders zuverlässige Hinweise darauf, wie hoch die Gefahr für Herzinfarkt oder Schlaganfall ist.

Studie zeigt: Der obere Wert bleibt zentral

Eine große Langzeitstudie mit über 100.000 Erwachsenen im Fachjournal “Hypertension” bestätigt: Der systolische Blutdruck ist unabhängig von Alter, Geschlecht und anderen Faktoren ein sehr guter Indikator für die Herzgesundheit.

Die Forscher analysierten Daten über einen Zeitraum von durchschnittlich 26 Jahren. Dabei untersuchten sie, wie Blutdruckwerte mit Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder einem tödlichen Verlauf von Herzkrankheiten zusammenhängen.

Warum der untere Wert bei Jüngeren wichtig ist

Spannend ist ein Detail: Bei Menschen unter 50 Jahren liefert auch der diastolische Blutdruck wichtige Zusatzinformationen. „Unsere Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, nicht nur den systolischen, sondern auch den diastolischen Blutdruck zu messen, insbesondere bei Personen unter 50 Jahren", sagte Prof. Dr. Michael Hecht Olsen vom Institut für regionale Gesundheitsforschung der Universität von Süddänemark. Das bedeutet, gerade jüngere Erwachsene sollten beide Werte im Blick behalten – nicht nur den oberen.

Mittlerer Blutdruck: Ein oft unterschätzter Faktor

Neben den beiden klassischen Werten rückt auch der sogenannte mittlere arterielle Druck stärker in den Fokus. Er beschreibt den durchschnittlichen Druck in den Arterien während eines Herzzyklus und wird aus systolischem und diastolischem Wert berechnet. Auch dieser Wert erwies sich in der Studie als guter Hinweis auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Sterblichkeit.

Bluthochdruck: Warum er so gefährlich ist

Bluthochdruck bleibt oft lange unbemerkt. Deshalb wird er auch als „stiller Killer“ bezeichnet. Er kann die Blutgefäße schädigen, ohne Beschwerden zu verursachen – und so das Risiko für schwere Erkrankungen deutlich erhöhen.

Was Sie selbst tun können

Die gute Nachricht: Jeder kann aktiv etwas für gesunde Blutdruckwerte tun. Diese Maßnahmen helfen nachweislich:

  • ausgewogene, salzarme Ernährung
  • wenig Alkohol
  • Rauchstopp
  • regelmäßige Bewegung
  • Stress reduzieren
  • gesundes Körpergewicht halten

Schon kleine Veränderungen im Alltag können einen großen Unterschied machen.

Quelle: DOI 10.1161/HYPERTENSIONAHA.120.16354

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