Niedriger Blutdruck bei alten Menschen: Welche Werte riskant sein können

Dr. Karen ZoufalRüdiger Freund  |  05.05.2026 15:59 Uhr

Wie stark sollte der Blutdruck im hohen Alter gesenkt werden? Entscheidend ist offenbar, wie fit jemand ist. Eine große Auswertung aus Hausarzt-Daten zeigt: Bei gebrechlichen Senioren kann ein eher niedriger Blutdruck mehr schaden als nützen.

Niedriger Blutdruck könnte gerade für gebrechliche Personen eine Gefahr bedeuten.
In vielen Ländern gelten mittlerweile strengere Grenzwerte für den Blutdruck. Davon profitieren möglicherweise nicht alle Patienten.
© iStock.com/simpson33

Studie mit über 400.000 älteren Menschen

Forscher haben Gesundheitsdaten von 415.980 Menschen ab 75 Jahren ausgewertet und sie bis zu zehn Jahre lang begleitet. Im Fokus stand der Zusammenhang zwischen Blutdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sterblichkeit. Die Teilnehmer wurden je nach Gebrechlichkeit eingeteilt: von fit bis stark gebrechlich.

Klar ist: Steigt der systolische, obere Blutdruckwert über 150 mmHg, nehmen Herz-Kreislauf-Ereignisse zu. Das bestätigt bekannte Grenzwerte. Für das Herz ist ein deutlich zu hoher Druck also weiterhin problematisch.

Niedrigere Werte überraschen mit höherer Sterblichkeit

Ein oberer (systolischer) Blutdruckwert von weniger als 130 mmHg und ein unterer (diastolischer) Wert von weniger als 80 mmHg war in der 10-jährigen Beobachtungszeit in allen Gruppen mit einer höheren Sterblichkeit verbunden. Das galt auch unabhängig davon, ob der Blutdruck gegen Lebensende ohnehin abfiel. 

Umgekehrt war ein etwas höherer systolischer Blutdruck zwischen 150 und 159 mmHg mit einem geringeren Sterberisiko verknüpft. Das betraf vor allem Menschen zwischen 75 und 84 Jahren mit moderater bis schwerer Gebrechlichkeit.

Das deutet darauf hin, dass der Körper im Alter möglicherweise von etwas höheren Blutdruckwerten profitiert, etwa um Organe ausreichend zu versorgen.

Gebrechlichkeit verändert die Zielwerte

Die Ergebnisse legen nahe, dass starre Zielwerte nicht für alle gelten. Während fitte Ältere unter 85 Jahren anders reagieren, profitieren gebrechliche Senioren offenbar nicht von einer aggressiven Blutdrucksenkung. Begleiterkrankungen könnten hier eine wichtige Rolle spielen.

Für die Behandlung heißt das: Ärzte sollten den Blutdruck bei älteren Patienten individueller bewerten. Ein sehr niedriger Zielwert ist nicht automatisch besser. Gerade bei gebrechlichen Menschen kann ein moderater Blutdruckbereich sinnvoller sein als eine strikte Senkung.

Strenge Blutdruckziele nicht in jedem Fall ideal

Die Geriaterin Jane Masoli, die die Studie im Rahmen ihrer Promotion an der University of Exeter durchführte, sagte: „International bewegen sich die Richtlinien in Richtung strenger Blutdruckziele, aber unsere Ergebnisse zeigen, dass dies möglicherweise nicht angemessen ist. Wir brauchen mehr Forschung, um festzustellen, ob eine aggressive Blutdruckkontrolle bei älteren Erwachsenen sicher ist und für welche Patientengruppen sie von Nutzen ist.“ Sie warnte aber davor, die Einnahme der Medikamente abzubrechen, es sei denn, der Arzt rät dazu.

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