Calcium und Vitamin D sollen die Knochen schützen. Doch eine große Studie stellt ihren Nutzen infrage. Eine Osteoporose-Expertin erklärt, für wen die Präparate trotzdem sinnvoll sein können und worauf es bei der Einnahme ankommt.

Wer Calcium und Vitamin D einnimmt, möchte häufig seine Knochen schützen. Doch wie gut gelingt das tatsächlich? Ein kanadisches Forschungsteam hat 69 kontrollierte Studien mit insgesamt rund 154.000 Erwachsenen ausgewertet, die keine medikamentöse Osteoporosebehandlung erhielten.
Das Fazit der im Fachmagazin The BMJ veröffentlichten Analyse: Calcium, Vitamin D oder die Kombination aus beiden bieten zur Vorbeugung von Knochenbrüchen und Stürzen insgesamt wenig bis keinen klinisch bedeutsamen Nutzen.
Für Dr. Friederike Thomasius greift diese Einschätzung jedoch zu kurz. Im Interview mit der Pharmazeutischen Zeitung verweist die Osteoporose-Expertin darauf, dass die aktuelle Osteoporose-Leitlinie eine Kombination aus Calcium und Vitamin D empfiehlt, wenn eine zusätzliche Versorgung erforderlich ist.
Bei der Kombination aus Calcium und Vitamin D fand das Forschungsteam einen statistisch nachweisbaren Vorteil: Das relative Risiko für Hüftfrakturen lag um 16 Prozent niedriger.
In absoluten Zahlen war der Unterschied allerdings klein. Die Analyse beziffert ihn auf rund drei Hüftfrakturen weniger je 1.000 behandelte Menschen über die untersuchten Beobachtungszeiträume. Das entspricht einer absoluten Risikoreduktion von etwa 0,3 Prozentpunkten.
Die Forscher bewerteten diesen Nutzen anhand zuvor festgelegter Schwellen als gering. Zudem wurde das Ergebnis wesentlich von einer einzelnen Studie mit besonders gefährdeten älteren Frauen beeinflusst. Wie groß der Nutzen für einzelne Risikogruppen tatsächlich ist, lässt sich aus den Durchschnittswerten der Analyse daher nur begrenzt ableiten.
Sollten Menschen Calcium und Vitamin D nach der neuen Analyse überhaupt noch einnehmen? Laut Thomasius gibt es regelmäßig Studien, die den Nutzen einer Supplementierung infrage stellen.
„Wenn man sich die Studie aber genau ansieht, zeigt sie, dass die Einnahme von Calcium oder Vitamin D allein keinen Schutzeffekt hat, die Kombination von beiden aber schon. Und das steht bereits in den Leitlinien, dass nur eine Kombination wirksam ist“, sagt die Expertin.
Die Studie habe für die Kombination im Vergleich zu Placebo eine Verringerung des Risikos für Hüftfrakturen um 16 Prozent und für andere Knochenbrüche um 9 Prozent ergeben. Die Autoren bewerteten die Effekte dennoch insgesamt als gering bis klinisch nicht bedeutsam.
Thomasius gewichtet die Ergebnisse anders: „Doch auf Bevölkerungsebene bedeuten Effekte in dieser Höhe viele verhinderte Frakturen.“ Für sie bleibt die Kombination daher eine sinnvolle Möglichkeit, wenn eine zusätzliche Versorgung erforderlich ist. Entscheidend ist, für wen die Präparate eingesetzt werden und wie hoch das persönliche Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche ist.
Wichtig für starke Knochen sind bereits im Kindes- und Jugendalter eine ausgewogene Ernährung und ausreichend körperliche Bewegung. Personen mit erhöhtem Risiko für Osteoporose, mit niedriger Knochendichte und geringer Calciumzufuhr oder wenig Sonnenexposition empfiehlt Thomasius weiterhin eine Kombination aus Calcium und Vitamin D.
Auch bei jungen Frauen sollte die Knochengesundheit stärker beachtet werden. „Ganz essenziell für die Knochengesundheit bei jungen Mädchen und Frauen ist auch ein regelmäßiger Monatszyklus, weil der Knochen Estrogen-reguliert ist. Häufig wird erst ab einem Alter von 50 Jahren auf die Knochengesundheit geschaut, das müsste aber vorher beginnen“, sagt Thomasius.
Quelle: DOI: 10.1136/bmj-2025-088050.
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