Abnehmen, wieder zunehmen und dann die nächste Diät: Der Jo-Jo-Effekt gilt als ungesund. Doch eine neue wissenschaftliche Analyse zeigt, dass wiederholte Gewichtsschwankungen nicht für alle Menschen gleichermaßen problematisch sein müssen.

Immer wieder ab- und zuzunehmen ist nicht nur frustrierend. Viele sorgen sich auch, ob das Auf und Ab, auch „Weight Cycling“ genannt, der Gesundheit schaden könnte. Doch wie groß sind die Risiken tatsächlich? Dieser Frage sind Professor Norbert Stefan vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) und Professor Faidon Magkos von der Universität Kopenhagen nachgegangen. Dafür haben sie bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse ausgewertet.
Ihr Ergebnis: Offenbar macht es einen Unterschied, ob jemand normalgewichtig ist oder bereits an Adipositas, also starkem Übergewicht, leidet. Bei Menschen mit Adipositas gibt es bislang kaum Hinweise darauf, dass wiederholtes Ab- und Zunehmen das Körpergewicht oder die Zusammensetzung des Körpers langfristig zusätzlich ungünstig beeinflusst. Bei Normalgewichtigen könnte der Jo-Jo-Effekt dagegen das Risiko erhöhen, später eine Adipositas zu entwickeln.
Eine mögliche Ursache könnte darin liegen, wie sich der Körper beim Abnehmen verändert. So verlieren Normalgewichtige bei einer stärkeren Gewichtsabnahme offenbar anteilig mehr fettfreie Körpermasse, zu der auch die Muskeln gehören, als Menschen mit Adipositas. Gleichzeitig sinkt ihr Energieverbrauch in Ruhe stärker.
Nehmen sie anschließend wieder zu, könnte sich vermehrt Fettgewebe einlagern, so die Vermutung. Und passiert dies wiederholt, verschiebt sich möglicherweise langfristig das Verhältnis von Muskel- zu Fettmasse. Besonders bei Menschen, die ohnehin zu Übergewicht neigen, könnte dies die Entstehung einer Adipositas begünstigen.
Dabei versuchen auch viele Menschen abzunehmen, obwohl ihr Gewicht im gesunden Bereich liegt. Laut Magkos wünschen sich fast 30 Prozent der Menschen ohne Übergewicht eine Gewichtsabnahme oder haben bereits entsprechende Versuche unternommen.
Mit der zunehmenden Verfügbarkeit wirksamer Medikamente zur Gewichtsreduktion gewinnt das Thema zusätzlich an Bedeutung. Denn auch Menschen mit Normalgewicht oder nur leichtem Übergewicht interessieren sich für solche Präparate, beispielsweise aus ästhetischen Gründen. Die Wissenschaftler warnen deshalb davor, Medikamente zum Abnehmen ohne medizinische Notwendigkeit einzusetzen. Mögliche gesundheitliche Vorteile müssten sorgfältig gegen die Risiken abgewogen werden.
Menschen mit Adipositas sollten sich dagegen von der Angst vor dem Jo-Jo-Effekt nicht entmutigen lassen. Auch wenn das Gewicht nach einer Diät wieder steigt, bedeutet das nach derzeitigem Kenntnisstand nicht, dass wiederholte Abnehmversuche die langfristige Gewichtsentwicklung zusätzlich verschlechtern.
Die aktuelle Veröffentlichung ist allerdings eine wissenschaftliche Einordnung bisheriger Erkenntnisse, keine neue klinische Studie. Die vermuteten Risiken für Normalgewichtige müssen noch genauer untersucht werden. Künftige Studien sollten insbesondere die langfristigen Auswirkungen wiederholter Gewichtsab- und -zunahme bei Menschen mit und ohne Adipositas direkt miteinander vergleichen, so die Forschenden.
Quelle: DOI 10.1038/s41574-026-01311-3
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