Nelkenöl gilt als klassisches Hausmittel gegen Zahnschmerzen. Experten sehen die Anwendung jedoch kritisch: Das konzentrierte ätherische Öl kann die Mundschleimhaut reizen und beseitigt die Ursache der Beschwerden nicht.

Wer plötzlich Zahnschmerzen bekommt, greift oft zu Hausmitteln. Besonders häufig wird Nelkenöl empfohlen. Tatsächlich enthält die Gewürznelke den Stoff Eugenol, der leicht betäubend wirken kann. Für die Behandlung von Zahnschmerzen eignet sich Nelkenöl nach Einschätzung von Experten dennoch nur bedingt.
„Nelkenöl kann zu einer Kontaktallergie führen und das Gewebe reizen“, warnt Dr. Jochen H. Schmidt, zahnärztlicher Leiter des Carree Dental in Köln. „Außerdem wirkt es kaum entzündungshemmend und nur etwas betäubend.“
Nach seinen Erfahrungen aus der Praxis können sich Beschwerden durch die Anwendung sogar verschlimmern. Zudem müssten bei manchen Patienten Nelkenreste aus den Zahnzwischenräumen entfernt werden.
Zahnschmerzen haben meist eine konkrete Ursache, etwa Karies, eine Entzündung des Zahnnervs oder Probleme am Zahnfleisch. Hausmittel können Beschwerden kurzfristig lindern, beheben die Ursache jedoch nicht.
Ein Klassiker unter den Hausmitteln gegen Zahnbeschwerden ist auch Salbei. „Die darin enthaltene Rosmarinsäure wirkt antiseptisch, entzündungshemmend und antibakteriell“, sagt Schmidt. Aus getrockneten Salbeiblättern lasse sich auch selbst eine Mundspülung herstellen, die dem Experten zufolge bei mehrfacher täglicher Anwendung nicht nur schmerzstillend wirke, sondern auch Zahnbelag sanft entferne.
Auch Ingwer und Kamille empfiehlt Schmidt bei Beschwerden im Mundraum: Mehrmals täglich als Tee oder Mundspülung angewendet können sie bei Schwellungen, Zahnfleischentzündungen und Zahnfleischbluten unterstützend eingesetzt werden.
Die enthaltenen ätherischen Öle werden traditionell zur Pflege von gereiztem Zahnfleisch genutzt und können Beschwerden vorübergehend lindern.
Thymian wird seit Langem bei kleineren Entzündungen im Mundraum verwendet. Nach Angaben des Experten kann die Heilpflanze auch bei Aphthen hilfreich sein.
Ebenfalls bewährt hat sich Myrrhe bei Zahnbeschwerden. „Das wohlriechende Gummiharz wirkt als Tinktur bzw. Mundwasser bei Zahnweh schmerzlindernd und heilungsfördernd“, berichtet Dr. Schmidt. Traditionell wird Myrrhe zudem zur Mundpflege eingesetzt. Sie findet sich bis heute in verschiedenen Mundspülungen und Präparaten für gereiztes Zahnfleisch.
Aphthen sind kleine, schmerzhafte Entzündungen der Mundschleimhaut. Nach Angaben von Schmidt kann hier Süßholz hilfreich sein. Die Tinktur wird mehrmals täglich auf die betroffene Stelle aufgetragen. Auch Salbei und Thymian werden traditionell bei Aphthen verwendet.
Bei leichtem Mundgeruch empfiehlt Schmidt Eukalyptus und Fenchel (roh oder als Tee): Durch ihre ätherischen Öle wirken sie sowohl entzündungshemmend als auch erfrischend auf den Atem.
Bleibt Mundgeruch länger bestehen, sollte die Ursache zahnärztlich abgeklärt werden. Häufig stecken Beläge auf Zähnen oder Zunge, Zahnfleischentzündungen oder andere Erkrankungen dahinter.
Doch generell gilt: „Selbst die besten Heilkräuter ersetzen bei Beschwerden natürlich keinen Zahnarztbesuch“, so Schmidt. Und auch ohne gründliche Zahnpflege geht es nicht. Denn nur dadurch lassen sich Karies, Parodontitis und schlechtem Atem vorbeugen.
Wähle aponet.de als eine bevorzugte Nachrichtenquelle bei Google und entdecke unsere aktuellen Gesundheitsnews häufiger in deinen News-Empfehlungen.
Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.
Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.
Im Fokus diesmal: Wie lange man vor der Blutabnahme nüchtern bleiben muss, der Effekt von Bewegung…
aus Apotheke, Forschung und Gesundheitspolitik.
In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern