Bewegung – die Choreografie entsteht im Kopf

In der Großhirnrinde gibt es eine Art Kommandozentrale für Bewegungen, die man als motorischen Cortex bezeichnet (lat. Cortex = Rinde, Schale). Von den dort sitzenden Nervenzellen reichen lange Fortsätze bis zu bestimmten Nervenzellen im Rückenmark. Diese Zellen wiederum geben die Bewegungsbefehle aus dem Großhirn an einzelne Muskelfasern weiter, die dann in Aktion treten.

Mädchen auf Schaukel
© R. Freund

Aber das Großhirn darf nicht einfach nur Kommandos geben, es muss auch kontrollieren, was diese bewirken. Und so lässt es sich von Bewegungsmeldern an den Muskelfasern, vom Gleichgewichtsorgan und von den Augen stets über die Lage des Körpers sowie die Aktionen der Muskeln unterrichten. Stimmt dabei etwas nicht mit den im Großhirn geplanten Bewegungsabläufen überein, wird dies sofort korrigiert – keinem Muskel wird erlaubt, aus der Reihe zu tanzen.

Ataxie – Unordnung der Bewegungen

Das feine Regelwerk der Bewegungskontrolle kann jedoch auch ins Stocken geraten. Kommt es etwa zu Schäden an den Nervenfasern, die Rückmeldungen über die Körperhaltung und die Muskelaktivität weiterleiten, verursacht dies eine gewisse Unordnung. Mediziner sprechen von Ataxie. Die Folge: Körperbewegungen laufen überschießend ab und lassen sich überhaupt nur dann noch einigermaßen kontrollieren, wenn man die Augen offen hält.

Einfacher Test gibt Hinweis

Fordert ein Arzt Betroffene zu Testzwecken auf, sich mit dicht nebeneinander stehenden Füßen gerade zu halten und dabei die Augen zu schließen, beginnen sie schon nach kurzer Zeit zu schwanken. Dieses Beispiel macht deutlich, auf welch verlorenem Posten das Gehirn ohne ständige Rückmeldungen über alle Vorgänge im Körper steht.

Feinjustierung von Bewegungen

Von der Großhirnrinde kommende Bewegungsbefehle werden nicht völlig unbearbeitet über das Rückenmark an die Muskeln weitergeleitet. Zuvor redet unter anderem das im unteren Hinterhauptsbereich sitzende Kleinhirn noch ein gewichtiges Wörtchen mit. Aufgabe dieser Instanz ist es, für die Feinabstimmung zu sorgen, so dass Bewegungen nicht fahrig, verzögert, zu langsam, zittrig oder am Ziel vorbei laufen. Außerdem beteiligen sich diese Hirnareale zum Teil auch am Bewegungslernen – wenn etwa ein Balletttänzer die Körperhaltungen seines Lehrmeisters wiederholt nachahmt und sie dadurch mit der Zeit immer besser beherrscht.

Auch Vergiftungen führen zu Störungen

Leider bleiben auch die zur Feinsteuerung benötigten Hirnareale und Nervenbahnen nicht immer von Krankheiten verschont. Kommt es zum Beispiel durch seltene erbliche Veranlagungen, Tumore oder Vergiftungen zu Schäden im Kleinhirn, bewirkt dies Störungen beim Bewahren des Gleichgewichtes und bei koordinierten, zielgerichteten Bewegungen. Je nach Form der Erkrankung treten auch Muskelschwäche, Krämpfe, epileptische Anfälle oder geistige Leistungseinbußen auf.

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