Krankheitsbild
Reisekrankheit tritt bei Bewegungen auf, die das Gleichgewichtsorgan reizen, während die Augen keine passende Bewegung erkennen. Dadurch entstehen widersprüchliche Signale im Gehirn. Besonders betroffen sind Situationen wie Schiffsreisen, Autofahrten oder Flüge. Viele Menschen erleben die Beschwerden zumindest zeitweise. Kinder unter zwei Jahren sind jedoch kaum betroffen, im späteren Alter haben Frauen während Menstruation und Schwangerschaft häufiger Probleme.
Symptome/Verlauf
Die Beschwerden beginnen oft plötzlich. Typisch sind:
- Übelkeit und Erbrechen
- Schwindel und kalter Schweiss
- Blässe und Müdigkeit
Zudem kann es zu Kopfschmerzen oder einem generellen Schwächegefühl kommen. Bei längerer Belastung gewöhnt sich das Gehirn jedoch meist nach ein bis drei Tagen an die Bewegungen, wodurch die Symptome deutlich nachlassen.
Folgen/Komplikationen
In den meisten Fällen bleibt die Reisekrankheit harmlos. Starke oder lang anhaltende Übelkeit mit Erbrechen kann jedoch zu Flüssigkeitsmangel führen. Auch extreme Erschöpfung oder Kreislaufprobleme sind möglich. Komplikationen treten vor allem dann auf, wenn die Beschwerden unbehandelt bleiben oder die betroffene Person sehr geschwächt ist.
Ursachen/Risikofaktoren
Die Ursache liegt in widersprüchlichen Sinneseindrücken. Das Innenohr registriert Bewegung, während die Augen ein statisches Umfeld melden. Das Gehirn kann diese Diskrepanz nicht ausgleichen. Risikofaktoren sind unter anderem ältere Schiffe oder Fahrzeuge mit starken Bewegungen. Auch der Aufenthalt in geschlossenen Innenräumen ohne Sicht nach draussen begünstigt die Beschwerden. Als Risikofaktoren gilt auch ein leerer oder sehr voller Magen sowie Alkohol, psychische Anspannung und Müdigkeit. Während der Pubertät und bei Frauen während Menstruation oder Schwangerschaft tritt die Reisekrankheit häufiger und stärker auf.
Das kann helfen
Das kann der Arzt tun: Er setzt bei Bedarf kurzzeitig Medikamente ein, meist aus den Gruppen Antihistaminika wie Dimenhydrinat oder Diphenhydramin sowie in schweren Fällen Scopolamin.
Das kann man selbst tun: Durch Aufenthalt an gut belüfteten Orten, Blick auf einen festen Punkt in der Ferne, leichte Mahlzeiten und Ruhepausen lindern sich die Beschwerden häufig. Auch Ingwer-Präparate aus der Apotheke tun in vielen Fällen gut. Grenzen der Selbsthilfe sind erreicht, wenn starkes Erbrechen anhält, starker Flüssigkeitsverlust auftritt oder die Beschwerden trotz Massnahmen nicht nachlassen. Dann sollte ärztliche Unterstützung erfolgen.
Quellenangaben:
Nagel, Gürkov, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Elsevier (Urban & Fischer), (2009), 2. Auflage - Herold, Innere Medizin, Herold, (2011)
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.