Depression: Nordic Walking kann schon nach wenigen Wochen helfen

Dr. Frank Schäfer  |  24.06.2026 11:29 Uhr

Schon länger ist bekannt, dass körperliche Aktivität die Behandlung von Depressionen unterstützen kann. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass ein angeleitetes Bewegungsprogramm womöglich schon nach fünf Wochen depressive Symptome bessert – vor allem bei eher schwereren Symptomen.

Nordic Walking Gruppe im Wald
Betreutes Nordic Walking war in der Studie mit einer deutlichen Abnahme depressiver Symptome verbunden – vor allem bei schwereren Depressionen.
© AnnaStills/iStockphoto

Wer unter einer Depression leidet, braucht oft Geduld, bis sich Erfolge einer Behandlung zeigen. Umso wichtiger ist die Frage, ob bestimmte Maßnahmen bereits kurzfristig zumindest eine gewisse Erleichterung bringen. Eine neue Studie liefert nun anhand eines betreuten Nordic-Walking-Programms Hinweise, dass körperliche Aktivität zwar nicht unmittelbar, aber doch innerhalb weniger Wochen eine Abnahme depressiver Symptome ermöglichen kann.

Die stärksten Verbesserungen traten früh auf

An der Untersuchung nahmen 64 Erwachsene aus Frankreich teil, die unter mittelgradigen bis schweren depressiven Symptomen litten. Die Teilnehmer wurden per Zufall einer von zwei Gruppen zugeteilt: 48 Personen absolvierten über volle zehn Wochen ein betreutes Nordic-Walking-Programm, 16 Personen dienten als Kontrollgruppe und erhielten lediglich Informationsmaterial zu Depressionen.

Das Training bestand aus zwei einstündigen Nordic-Walking-Einheiten pro Woche in Gruppen und unter Anleitung eines Trainers. Es wurde ohne Unterbrechung durchgeführt, mit Kontrollen der Pulswerte, die in einem vorgegebenen Bereich bleiben sollten. Die depressive Symptomatik wurde zu Beginn, nach fünf Wochen und nach zehn Wochen mit einem etablierten Fragebogen erfasst.

Das zentrale Ergebnis: Die Nordic-Walking-Gruppe zeigte deutlich stärkere Verbesserungen der Symptome als die Kontrollgruppe. Auffällig war, dass der größte Teil der Symptomabnahme bereits in den ersten fünf Wochen beobachtet wurde. Danach verbesserten sich die Werte zwar weiter, aber deutlich langsamer.

Ein weiterer Befund: Bei Teilnehmern mit schweren depressiven Symptomen zu Beginn der Studie zeigten sich in den ersten fünf Wochen stärkere und schnellere Verbesserungen als bei den Patienten mit mittelgradigen Beschwerden.

Warum ist das für Betroffene wichtig?

Körperliche Aktivität gilt auch in Fachleitlinien bereits als unterstützende Maßnahme zur Behandlung von Depressionen. In Frankreich wird dabei eine Dauer von zumindest drei Monaten empfohlen. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich positive Veränderungen möglicherweise schon früher zeigen können. Das ist besonders deswegen günstig, weil viele Menschen mit Depressionen aufgrund von Antriebslosigkeit und Erschöpfung oft Schwierigkeiten haben, langfristige Bewegungsprogramme durchzuhalten.

Was die Studie nicht zeigen kann

Die Studie – erschienen im Fachjournal „Journal of Affective Disorders“ – hat einige Einschränkungen. So hatten die Forscher keine Informationen über die laufende Behandlung der Teilnehmer mit Antidepressiva oder Psychotherapien. Daher lässt sich nicht sicher ausschließen, dass zumindest ein Teil der Verbesserungen auch durch Veränderungen und Einflüsse der Therapie eintrat. 

Außerdem handelte es sich um eine offene Studie: Die Teilnehmer wussten, ob sie am Bewegungsprogramm oder in der Kontrollgruppe teilnahmen. Auch soziale Kontakte während der Gruppentreffen oder die Betreuung durch Trainer könnten zu den positiven Effekten beigetragen haben. Die meisten Teilnehmer waren zudem Frauen, daher bleibt es unklar, inwieweit sich die Ergebnisse auf Männer übertragen lassen. 

Was bedeutet das für die Therapie?

Die Studie liefert Hinweise darauf, dass betreute Bewegungsprogramme – hier für Nordic Walking – Depressionsbehandlungen ergänzen und möglicherweise schon in wenigen Wochen die Symptome verbessern können. Die Ergebnisse sprechen jedoch nicht dafür, bestehende andere Therapien eigenmächtig abzusetzen oder umzustellen. Änderungen einer Behandlung gegen Depressionen sollten Patienten immer mit den behandelnden Ärzten und Therapeuten besprechen.

Quelle: DOI 10.1016/j.jad.2026.121618

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