Baby & Familie

Dreimonatskoliken: Deutsche Babys schreien selten

03.04.2017

Auch wenn das für viele junge Eltern wie ein schwacher Trost klingt: Deutsche Babys schreien im internationalen Vergleich am wenigsten. Im Gegensatz dazu liegen britische Kinder hier mit vorne. Am Brexit liegt es wohl nicht, denn auch kleine Kanadier und Italiener machen sich langanhaltend und lautstark bemerkbar.

Schreien soll angeblich die Lungen kräftigen. Eltern können über solche Einschätzungen meist nur müde lächeln: An "Schreikraft" fehlt es den meisten Babys nicht.
Schreien soll angeblich die Lungen kräftigen. Eltern können über solche Einschätzungen meist nur müde lächeln: An "Schreikraft" fehlt es den meisten Babys nicht.
© S.Kobold - Fotolia.com

Hitparade einmal anders: Wissenschaftler um Professor Dr. Dieter Wolke von der Universität Warwick in England haben die erste Hitliste für Babygeschrei in den ersten drei Lebensmonaten aufgestellt. Kanada zeigte sich am lautesten: 34 Prozent der Kinder schrien mehr als 3 Stunden pro Tag an mindestens 3 Tagen in der Woche. Diese Zeit ist als Grenzwert für die sogenannten Dreimonatskoliken festgelegt. In Großbritannien überschritten 28 Prozent und in Italien knapp 21 Prozent der Babys diesen Wert. In Deutschland lagen nur 6,7 Prozent der Säuglinge über dieser Grenze.

Im Durchschnitt schreien Babys etwa 2 Stunden pro Tag in den ersten zwei Lebenswochen. Das steigt bis zur sechsten Woche noch um eine Viertelstunde. Bis zur zwölften Woche sinkt diese Zeit dann auf 1 Stunde und 10 Minuten, wie die Forscher anhand der Daten von fast 8700 Babys herausfanden. Diese Forschungsarbeit, die aktuell im Fachblatt Journal of Pediatrics veröffentlicht wurde, hat einen ernsten Hintergrund: Die Kriterien, nach denen Ärzte Babyschreien beurteilen, stammen noch aus den 1950er-Jahren. „Die neue Liste mit Daten aus Industrieländern soll Ärzten helfen, einzuschätzen, ob das Schreien im Normalbereich liegt“, erklärte Wolke. Falls nicht, seien weitere Untersuchungen des Kindes nötig und die Eltern bräuchten mehr Unterstützung.

RF

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