Große Bluthochdruck-Studie: Welche Medikamente die wenigsten Nebenwirkungen verursachen

Pharmazeutische ZeitungRüdiger Freund  |  24.06.2026 12:47 Uhr

Wer seinen Bluthochdruck mit Medikamenten behandelt, kennt das Problem: Schwindel, Husten oder andere Beschwerden führen oft dazu, dass Tabletten unregelmäßig eingenommen oder ganz abgesetzt werden. Eine große Analyse zeigt jetzt, welche Wirkstoffe Patienten besonders gut vertragen – und welche häufiger Nebenwirkungen verursachen.

Älterer Mann misst seinen Blutdruck.
Regelmäßiges Blutdruckmessen zeigt, wie gut die verordneten Medikamente Wirken.
© Olga Yastremska/iStockphoto

Wer dauerhaft zu hohe Blutdruckwerte hat, braucht häufig eine langfristige Behandlung. Entscheidend ist dabei nicht nur, wie stark ein Medikament den Blutdruck senkt. Es muss auch im Alltag gut verträglich sein. Denn viele Patienten setzen ihre Therapie vorzeitig ab, wenn sie Nebenwirkungen befürchten oder tatsächlich Beschwerden entwickeln.

Welche Blutdrucksenker schneiden am besten ab?

Eine aktuelle Auswertung von 716 klinischen Studien mit mehr als 159.000 Teilnehmern liefert dazu klare Hinweise. Untersucht wurden die fünf wichtigsten Gruppen von Medikamenten gegen Bluthochdruck:

Das auffälligste Ergebnis: Sartane gehörten durchgängig zu den am besten verträglichen Wirkstoffen.

Patienten brachen eine Therapie mit einem Sartan sogar seltener wegen Nebenwirkungen ab als Teilnehmer, die lediglich ein Placebo erhielten. Besonders gut schnitt die Kombination aus einem Sartan und einem Calciumkanalblocker ab.

Warum die Verträglichkeit so wichtig ist

Bluthochdruck verursacht oft lange Zeit keine Beschwerden. Gerade deshalb fällt es vielen Menschen schwer, dauerhaft Medikamente einzunehmen, wenn sie unangenehme Begleiterscheinungen bemerken.

Ein Therapieabbruch kann jedoch Folgen haben. Bleibt der Blutdruck dauerhaft erhöht, steigt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und Nierenschäden. Ärzte achten deshalb zunehmend darauf, eine Therapie zu wählen, die wirksam und zugleich möglichst gut verträglich ist.

Schwindel ist oft ein Zeichen der Wirkung

Viele Patienten erschrecken, wenn kurz nach Beginn der Behandlung Schwindel auftritt. Laut den Studienautoren handelt es sich dabei häufig um eine Folge der gewünschten Blutdrucksenkung. Der Körper muss sich zunächst an die niedrigeren Werte anpassen. In vielen Fällen bessert sich dieses Gefühl nach einigen Tagen oder Wochen wieder.

Interessant ist auch ein weiterer Befund: Kopfschmerzen nahmen unter den meisten Blutdruckmedikamenten ab. Sie können ein Hinweis auf eine unzureichende Blutdruckkontrolle sein. Eine Ausnahme bildeten Calciumkanalblocker. Hier besserten sich Kopfschmerzen oft weniger deutlich.

Husten, Wassereinlagerungen und andere Nebenwirkungen

Je nach Wirkstoffgruppe traten typische Beschwerden auf:

  • ACE-Hemmer: häufiger trockener Husten
  • Calciumkanalblocker: häufiger Wassereinlagerungen in Beinen und Füßen
  • Alle Wirkstoffgruppen: vermehrt Schwindel zu Beginn der Behandlung

Die Forscher bewerteten am Ende die Verträglichkeit aller untersuchten Therapien. Vier der fünf bestplatzierten Regime enthielten ein Sartan.

Was Patienten daraus mitnehmen können

Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass Sartane für jeden Menschen automatisch die beste Wahl sind. Alter, Begleiterkrankungen und weitere Medikamente spielen bei der Therapieentscheidung eine wichtige Rolle.

Die Analyse zeigt aber deutlich: Wer wegen Nebenwirkungen Probleme mit seiner Blutdruckbehandlung hat, sollte das Gespräch mit seinem Arzt suchen. Oft lässt sich durch einen Wechsel des Medikaments oder der Kombination eine besser verträgliche Lösung finden.

Die Studie erschien im Fachjournal “JAMA”.

Quelle: DOI 10.1001/jama.2026.6214

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