Gesundheit

Ist Long-Covid eine Autoimmunerkrankung?

Apotheker Rüdiger Freund  |  15.01.2024

Eine Infektion mit SARS-Cov-2 kann das Immunsystem und seine Reaktion auf Krankheitserreger und sogar harmlose Substanzen nachhaltig stören. Long-Covid könnte eine Folge dieser Autoimmunprozesse sein, erklärte Prof. Dr. Rolf Marschalek aus Frankfurt auf einem Fortbildungskongress für Apotheker.

Mann, erschöpft.
Einige Menschen leiden auch Wochen und Monate nach Covid-19 noch unter starker Erschöpfung, Kurzatmigkeit, Muskelschmerzen und anderen Beschwerden.
© dima_sidelnikov/iStockphoto

Warum manche Menschen nach einer Corona-Infektion oft über Monate unter Long-Covid leiden, ist Fachleuten noch nicht 100-prozentig klar. Als ein wahrscheinlicher Auslöser kommt eine Autoimmunreaktion infrage. Dabei wird das Immunsystem fehlgeleitet und greift eigentlich harmlose körpereigene Strukturen an. Das kann Entzündungsprozesse starten und zu Schädigungen an Organen führen. Beispiele für andere Autoimmunerkrankungen sind Typ-1-Diabetes, bei dem das Immunsystem die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört, oder Multiple Sklerose, bei der Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden.

Auch Viren können Autoimmunprozesse auslösen, wie Marschalek in Schladming, Österreich, erläuterte. Normalerweise produziert das Immunsystem bei einer Virusinfektion Antikörper gegen den Krankmacher. Auch bei SARS-Cov-2 ist das so. Allerdings hätten im Falle einer Infektion mit der Omikron-Variante 9 von 10 dieser Antikörper autoimmune Wirkungen und nur einer richte sich tatsächlich gegen das Virus. Zusätzlich störe Omikron laut Marschalek den normalen Ablauf einer Immunreaktion, indem es wichtige Zellen der körpereigenen Abwehr zerstöre, die sogenannten Killer-T-Zellen. Die Folge von alldem sei, dass das Immunsystem über Wochen fehlreguliert arbeite, was die Long-Covid-Symptomatik auslösen könnte.

Auch wenn die Covid-19-Erkrankung vielen momentan nicht mehr ganz so gefährlich erscheint wie zu Beginn der Pandemie, rät Marschalek eindringlich zur Impfung: „Mit jeder Infektion steigt das Risiko für Long-Covid, und man kann sich immer wieder anstecken, denn der Körper baut nach einer Omikron-Infektion keinen ausreichenden Immunschutz dagegen auf.“ Es sei wichtig, sich unbedingt vor einer Infektion zu schützen.

Gegen die ursprüngliche Variante hätten sich die meisten Menschen dreimal impfen lassen, gegen Omikron jedoch viele gar nicht, bedauert der Experte. Die Impfung sei jedoch der beste Weg, die Erkrankung zu verhindern und damit das Risiko für Long-Covid zu senken. Er spricht sich für drei Impfungen mit einem Omikron-spezifischen Impfstoff aus. Seine Empfehlung stützt er auf Studiendaten, laut derer das Risiko, nach einer Covid-19-Erkrankung Long-Covid zu entwickeln, durch die erste Impfung um 21 Prozent sinke. Dieser Wert lasse sich nach der dritten Impfung noch auf 79 Prozent erhöhen. Auch Menschen, die bereits eine Infektion mit Omikron hatten, rät er zur Immunisierung. Hier würde bereits eine einzige zusätzliche Impfung das Risiko für Long-Covid halbieren.

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