Alternative Therapie

Mit Cannabis-Tropfen gegen trockene Augen?

18.11.2019

Bei welchen Symptomen medizinisches Cannabis helfen kann, wird derzeit in vielen Studien untersucht. Augenärzte aus Deutschland erforschen aktuell die Wirkung von Cannabis-haltigen Tropfen gegen Augenschmerzen bei trockenem Auge. Eine erste klinische Studie für ein entsprechendes Medikament ist bereits in der Planung.

Cannabis-Tropfen könnten in Zukunft Schmerzen beim trockenen Auge lindern.
Das trockene Auge ruft Sehstörungen und Schmerzen hervor, die mit bestehenden Medikamenten nicht immer ausreichend therapiert werden können.
© sebra - stock.adobe.com

Das trockene Auge ist die häufigste chronische Augenerkrankung in Deutschland. Betroffene haben häufig mit einer eingeschränkten Sehfähigkeit, einem Fremdkörpergefühl, Brennen und Stechen zu kämpfen. „Außer Sehbeschwerden sind Augenschmerzen das Hauptsymptom des trockenen Auges, das Patienten zum Augenarzt führt“, sagt Professor Dr. Philipp Steven von der Universitätsklinik Köln bei einer Pressekonferenz der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in Berlin. In den meisten Fällen lasse sich das trockene Auge mit Tränenersatzmitteln oder, in schwereren Fällen, zusätzlich mit entzündungshemmenden Augentropfen gut behandeln. Bei etwa 20 bis 30 Prozent der Betroffenen gehen die Schmerzen jedoch durch diese Maßnahmen nicht auf ein erträgliches Maß zurück, berichtet Steven. Hier bestehe eine therapeutische Lücke: „Wir verfügen bisher über keine wirksame Therapie gegen die Augenschmerzen“, sagte Stevens.

Augentropfen machen nicht high

Seine Arbeitsgruppe in Köln hat nun zusammen mit einem Heidelberger Pharmaunternehmen Cannabis-haltige Augentropfen mit Tetrahydrocannabinol (THC) entwickelt. Der Einsatz von THC bei trockenen Augen sei plausibel, da es nicht nur schmerzlindernd, sondern auch entzündungshemmend und wundheilungsfördernd wirke. In Experimenten mit Mäusen habe die Anwendung der Augentropfen zu einer deutlichen Besserung des trockenen Auges und der Funktion der Nervenenden geführt.

Sich den zentral wirksamen Inhaltsstoff von Cannabis ins Auge zu träufeln, mag dennoch für manchen Patienten eine seltsame Vorstellung sein. Dass der Anwender high wird, sei jedoch aufgrund der niedrigen Wirkstoffkonzentration nicht zu erwarten, so Stevens. Er und seine Kollegen planen zurzeit die erste klinische Studie. „Die Vorzeichen für eine erfolgreiche Anwendung bei Patienten stehen sehr gut“, sagt der Mediziner. Die THC-haltigen Augentropfen seien bereits zum Patent angemeldet worden.

NK

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