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Blutspenden: Droht in Deutschland ein Mangel?

09.09.2019

Der Bedarf an Blutkonserven in Deutschland ist in den letzten Jahren zwar zurückgegangen, doch der demografische Wandel bereitet den Blutbanken weiterhin Sorgen. In Deutschland könnte es schon bald nicht mehr genügend junge Spender geben, um eine steigende Zahl älterer Menschen zu versorgen, warnen Experten der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin.

In den kommenden Jahren könnte es zu Engpässen bei Blutkonserven kommen.
Vor allem unter jungen Menschen gibt es aktuell wenige Blutspender.
© iStock.com/Cylonphoto

In Deutschland wurden im letzten Jahr 3,4 Millionen Transfusionen mit Fremdblut durchgeführt. Das ist fast ein Viertel weniger als vor zehn Jahren. „Der Rückgang lässt sich vor allem auf die strengeren Regeln für Bluttransfusionen bei Operationen, Krebs- und Herzerkrankungen sowie Magen-Darm-Blutungen zurückführen.“, sagt Professor Dr. med. Andreas Greinacher, Leiter der Abteilung Transfusionsmedizin am Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald. Früher erhielten die Patienten bereits Transfusionen, wenn der Hämoglobinwert auf unter 10 g/dl abgefallen war. Dieser Wert ist zwar bereits deutlich unter der Norm. „Studien haben jedoch gezeigt, dass die Überlebenschancen der Patienten nicht schlechter sind, wenn der Hämoglobinwert nicht zu stark angehoben wird“, sagt Greinacher. Ein weiterer Grund für den gesunkenen Bedarf ist der sparsamere Umgang mit dem Blut in vielen Kliniken.

Dennoch dürfe man sich davon nicht täuschen lassen, warnt er. Die meisten Blutkonserven werden von Menschen über 65 benötigt. Zu den aktivsten Blutspendern zählen derzeit die geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1965. In den nächsten Jahren kommen genau diese „Baby Boomer“ in ein Alter, in dem sie selbst verstärkt Blutkonserven benötigen. „Während also diese Gruppe vom Spender zum Empfänger wird, haben wir einen jetzt schon deutlichen Mangel in Bezug auf die „nachwachsende“ Spendergeneration der nach 1989 Geborenen – vor allem in den neuen Bundesländern. Denn nach der Wende ist die Geburtenrate dort um 50 Prozent gefallen“, sagt Greinacher.

Auch Professor Dr. med. Hermann Eichler, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin (DGTI), erwartet für die nächsten Jahre Engpässe. „Wir benötigen dringend ein bundesweites Monitoring, um festzustellen, wo Blutkonserven benötigt werden und wo weitere Einsparpotenziale bestehen“, sagt er. Die Blutbanken müssten in die Lage versetzt werden, den Bedarf besser als bisher abzuschätzen. Dann werde auch in schwierigen Situationen jeder Patient in Deutschland die Bluttransfusionen erhalten, die er benötigt. Parallel dazu sei es wichtig, für das Blutspenden vor allem bei jüngeren Menschen zu werben.

DGTI/NK

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