Krankheitsbild
Von einem Schlafapnoe-Syndrom sprechen Mediziner, wenn ein Mensch im Schlaf mehr als fünfmal pro Stunde kurze Atemaussetzer hat. Diese können mit starken Schnarchen einhergehen, es kann aber auch fehlen, je nach Ursache des Schlafapnoe-Syndroms. Bei Männern tritt ein Schlafapnoe-Syndrom häufiger als bei Frauen auf, zudem gibt es mehr Fälle in höheren Altersgruppen.
Wird das Syndrom dadurch ausgelöst, dass die Atemwege durch erschlaffte Muskulatur im Bereich des Schlundes verlegt werden (obstruktive Schlafapnoe), können die Atemaussetzer in schweren Fällen mitunter über hundertmal pro Nacht auftreten. Die einige Sekunden bis hin zu ein, zwei Minuten andauernden Atemstillstände rufen eine erniedrigte Sauerstoffsättigung und eine erhöhte Kohlendioxidbeladung im Blut hervor, der Puls sinkt. Das Gehirn reagiert mit meist unbemerkt ablaufenden Weckreaktionen, um die Atmung wieder in Gang zu setzen.
Ähnlich sieht es bei einem zentralen Schlafapnoe-Syndrome aus. Hier ist starkes Schnarchen allerdings nicht typisch. Die Atemwege sind frei, aber der vom Nervensystem gesteuerte Atemantrieb fehlt im Schlaf und es kommt zu Atemstörungen. Es kann mitunter ein obstruktives und zentrales Schlafapnoe-Syndrom zugleich vorliegen.
Symptome/Verlauf
Von obstruktiver Schlafapnoe betroffene Menschen schnarchen im Schlaf oft recht stark und unregelmässig, immer wieder unterbrochen von kurzen Atemaussetzern - bis dann die Atmung laut hörbar wieder einsetzt. Mitunter können Betroffene mit dem Gefühl von Atemnot aus dem Schlaf aufschrecken und unregelmässigen, schnellen Herzschlag sowie Kopfschmerz verspüren, sie können Nachtschweiss und vermehrten nächtlichen Harndrang haben.
Die als Folge der Atemaussetzer auftretenden kurzen Weckreaktionen bleiben häufig unbemerkt. Beschwerden verspüren Betroffene jedoch am Tage: Sie fühlen sie sich morgens wie gerädert, haben Kopfschmerzen, einen trockenen, rauen Hals, sind im Tagesverlauf übermüdet und schläfrig, haben Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, sind weniger leistungsfähig und gereizt. Teils kommt es ungewollt zu kurzzeitigem Einschlafen am Tage, was unter anderem beim Autofahren besonders gefährlich ist.
Ähnliche Symptome gibt es auch bei zentralen Schlafapnoe-Syndromen, es kommt zu Atemstörungen und Atemaussetzern, Ein- und Durchschlafproblemen, nächtlichem Erwachen mit Atemnot und Tagesschläfrigkeit. Das Schnarchen fehlt entweder oder ist nicht so ausgeprägt, es sei denn, es liegt zusätzlich ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom vor.
Beobachten Betroffene selbst oder die Partnerin beziehungsweise der Partner solche Symptome, sollten diese ärztlich abgeklärt werden.
Folgen/Komplikationen
Bleibt ein Schlafapnoe-Syndrom unbehandelt, kann dies auf Dauer schwerwiegende Folgen haben. Die fehlende Leistungsfähigkeit, die Übermüdung und die Erschöpfung können zu depressiven Störungen führen. Es steigt ausserdem die Unfallgefahr beispielsweise im Strassenverkehr oder am Arbeitsplatz. Die ständigen nächtlichen Weckreaktionen und die damit verbundene fehlende Erholung wegen der schlechten Schlafqualität belasten ausserdem Herz und Kreislauf. Und so begünstigt ein Schlafapnoe-Syndrom Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkte und Schlaganfälle.
Ursachen/Risikofaktoren
Es gibt für ein Schlafapnoe-Syndrom mehrere mögliche Ursachen. Es kann etwa entstehen, wenn der über das Gehirn gesteuerte Atemantrieb im Schlaf gestört ist. Man spricht dann von einem zentralen Schlafapnoe-Syndrom. Ursache können unter anderem neurologische Erkrankungen, Herz- und Nierenleiden oder Drogen sein.
Beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom erschlafft im Schlaf die Muskulatur im Schlundbereich zu sehr. Als Folge davon werden die Atemwege verlegt. Die Betroffenen schnarchen meist sehr ausgeprägt.
Es gibt Risikofaktoren, die ein Schlafapnoe-Syndrom begünstigen können. Einige Beispiele:
- Übergewicht
- eine Fehlstellung des Unterkiefers
- Schlafen auf dem Rücken
- vergrösserte Rachenmandeln oder Nasenpolypen
- Alkohol-, Nikotin- oder Drogenkonsum
- Schlafmittel
Das kann helfen
Was der Arzt tun kann:
Kommen Menschen mit den Symptomen eines Schlafapnoe-Syndroms zu Ärztinnen oder Ärzten, erhalten sie nach den Untersuchungen in der Praxis möglicherweise ein tragbares Messgerät für zuhause, das wichtige Körperfunktionen im Schlaf aufzeichnet. Ergeben sich dabei Hinweise auf nächtliche Atemstörungen, sollten Betroffene in einem Schlaflabor untersucht werden. Dort lässt sich genau feststellen, ob ein Schlafapnoe-Syndrom vorliegt.
Handelt es sich um ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom, versucht man, durch Schlafhilfen für die Seitenlage, Aufbissschienen und die Behandlung von Risikofaktoren wie etwa Übergewicht eine Besserung zu erreichen. Als wichtigste Behandlungsmöglichkeit gilt ein Beatmungsgerät für die Nacht, dass den Mund-Nasen-Raum mit einem etwas erhöhten Atemluftdruck versorgt, so dass die Schlundmuskulatur nicht mehr zusammenfallen kann. In Einzelfällen können operative Eingriffe erwogen werden.
Gibt es Auslöser für ein zentrales Schlafapnoe-Syndrom, etwa eine Herzerkrankung, werden diese Ursachen behandelt. Auch hier können Beatmungstherapien zum Einsatz kommen.Das alles muss mit Ärztinnen und Ärzten besprochen werden, deren Beratung dieser Text nicht ersetzen kann.
Was man selbst tun kann:
Bei anhaltenden Schlafproblemen sollte man sich grundsätzlich ärztlich beraten lassen. Das gilt besonders, wenn Beschwerden am Tage auftreten, wie etwa eine stetige Tagesschläfrigkeit und Erschöpfung.
Liegt ein Schlafapnoe-Syndrom vor, kann man zusätzlich zur ärztlich empfohlenen Behandlung Risikofaktoren angehen, die ein solches Syndrom fördern. Hilfreich ist beispielsweise der Abbau von Übergewicht und die Aufgabe des Rauchens.
Quellenangaben:
Herold, Innere Medizin, Herold, (2011) - S. Andreae et al., Gesundheits- und Krankheitslehre für die Altenpflege, Thieme, (2011), 3. Aufl.
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.