Cholesterin senken: Wie viel bringen Ernährung und Bewegung wirklich?

Wolf Löchel  |  15.06.2026 14:37 Uhr

Haferbrei essen, Eier weglassen: Im Netz kursieren viele Tipps gegen hohe Cholesterinwerte. Doch wie stark lassen sich die Werte mit Ernährung und Bewegung wirklich beeinflussen? Ein Fettstoffwechselspezialist ordnet ein.

Paar schneidet zusammen Gemüse in der Küche zum kochen
Gesunde Ernährung kann die Cholesterinwerte senken, allerdings weniger als manche denken.
© evgenyatamanenko/iStockphoto

Cholesterin hat einen schlechten Ruf, dabei braucht der Körper es zum Leben. Es steckt in den Zellwänden, dient als Baustein für Hormone und Vitamin D. Problematisch wird es erst, wenn zu viel davon im Blut zirkuliert. Vor allem das LDL-Cholesterin lagert sich dann in den Gefäßwänden ab und erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. „Wie ein leiser Zerstörer schädigt hohes LDL über die Dauer die Gefäßinnenhaut, ohne dass die Betroffenen Beschwerden haben", erklärt Professor Ulrich Laufs, Kardiologe und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung

Nur ein Drittel kommt aus dem Essen

Eine verbreitete Annahme hält sich hartnäckig: Wer cholesterinreich isst, hat automatisch hohe Werte. So einfach ist es aber nicht. Nur etwa 20 bis 30 Prozent des Cholesterins im Blut stammen direkt aus der Nahrung, den Rest stellt der Körper selbst her, vor allem in der Leber. „Hohe LDL-Werte im Blut sind im Wesentlichen durch erbliche Veranlagung bedingt", sagt Laufs. Das erklärt, warum auch schlanke, sportliche Menschen, die sich gesund ernähren, hohe Werte haben können.

Bei wem Lebensstiländerung besonders viel hilft

Trotzdem lohnt sich ein gesunder Lebensstil. Wie stark er wirkt, hängt allerdings von der Ausgangslage ab. Bei jemandem, der viel frittiert isst und übergewichtig ist, zeigt eine Ernährungsumstellung deutlichere Effekte als bei jemandem, der sich ohnehin schon gesund ernährt. Insgesamt lässt sich der Cholesterinwert durch bessere Ernährung aber meist nur um zehn, manchmal um 20 Prozent senken. Das reicht oft nicht aus, um stark erhöhte Werte in den Zielbereich zu bringen.

So lässt sich das LDL-Cholesterin senken

Wer Herz und Gefäße schützen möchte, dem rät die Herzstiftung zu einer kalorienbewussten Ernährung mit viel frischem Gemüse, Ballaststoffen und hochwertigen Pflanzenölen wie Oliven-, Raps- oder Leinöl, dafür wenig stark verarbeiteten Fleisch- und Wurstwaren. Günstig wirken außerdem Hülsenfrüchte, Haferflocken sowie bestimmte Obst- und Gemüsesorten. Bei der Bewegung empfehlen sich mindestens fünfmal pro Woche 30 Minuten Ausdaueraktivität wie flottes Gehen, Radfahren oder Schwimmen. „Ideal ist eine Kombination aus Ausdauer- und moderatem Krafttraining", so Laufs.

Wann Medikamente nötig werden

Ob eine Lebensstiländerung ausreicht oder zusätzlich Medikamente nötig sind, hängt vom persönlichen Risiko ab. Wer nur leicht erhöhte Werte und keine weiteren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat, kommt oft allein mit einer Umstellung aus. Anders sieht es bei Menschen mit Vorerkrankungen, familiärer Veranlagung oder einem bereits durchgemachten Herzinfarkt aus. Hier helfen zusätzlich Lipidsenker, die das LDL-Cholesterin dauerhaft senken.

Anders als beim Blutdruck gibt es beim Cholesterin übrigens kein „zu niedrig". „Studien belegen: Je niedriger das LDL gesenkt wird, desto geringer ist die Zahl der Herzinfarkte, Schlaganfälle und Todesfälle", betont Laufs.

Werte regelmäßig kontrollieren lassen

Da hohe Cholesterinwerte keine Beschwerden verursachen, bleiben sie oft lange unbemerkt. Deshalb lohnt sich ein regelmäßiger Check. Die Krankenkassen bieten ab 35 Jahren alle drei Jahre einen kostenlosen Gesundheits-Check-up beim Hausarzt an. Sinnvoll ist außerdem, einmal im Leben den Wert von Lipoprotein(a) bestimmen zu lassen, einem erblich bedingten Risikofaktor. Bei familiärer Vorbelastung mit frühen Herzinfarkten oder Schlaganfällen sollte die Kontrolle früher und engmaschiger erfolgen.

Quelle: DOI10.1093/eurheartj/ehaf190

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