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Diesel: Wie gefährlich sind Abgase wirklich?

30.05.2018

6.000 Tote in Deutschland durch Stickstoffdioxid – diese Schlagzeile ging im Frühjahr durch die Medien. Das giftige Gas, das unter anderem Diesel-Autos ausstoßen, soll außerdem für hunderttausende Asthma- und Diabeteserkrankungen verantwortlich sein. Warum diese Zahlen mit Vorsicht gelesen werden sollten, das erklärte Prof. Dr. Martin Göttlicher vom Institut für Molekulare Toxikologie und Pharmakologie des Helmholtz Zentrums in München beim pharmacon, einem Apotheker-Fortbildungskongress in Meran, Italien.

Zurzeit diskutiert die Politik Fahrverbote für Diesel-PKW in Städten, weil Dieselabgase besonders stark zur Luftverschmutzung beitragen sollen.
Zurzeit diskutiert die Politik Fahrverbote für Diesel-PKW in Städten, weil Dieselabgase besonders stark zur Luftverschmutzung beitragen sollen.
© kichigin19 - Fotolia

Den Meldungen zu Krankheits- und Todesfällen durch Stickstoffdioxid ging Professor Dr. Martin Göttlicher vom Institut für Molekulare Toxikologie und Pharmakologie des Helmholtz Zentrums München auf den Grund. Er berichtete darüber auf einem Apotheker-Fortbildungskongress in Meran, Italien.
Zunächst müsse man sich klarmachen, dass der Zahl Modellrechnungen zugrunde liegen. »Das ist einfache Mathematik: Viele Werte, wie die Belastung mit Stickstoffdioxid (NO2) in Deutschland und die umweltbedingten Krankheitsfälle, sind dazu vielfach gemittelt worden«, erklärte Dr. Göttlicher. Die Zahl stimmt also – zumindest rein statistisch betrachtet. Die Frage, warum Krankheits- oder gar Todesfälle auftreten, lasse sich aus solchen statistischen Berechnungen aber nicht eindeutig beantworten.

"Krankheiten entstehen nicht durch eine einzige Ursache. Es handelt sich um ein Zusammenspiel sehr vieler Faktoren: Neben der Umweltbelastung spielen natürlich die Gene eine wichtige Rolle", verdeutlichte der Mediziner und Toxikologe. Dazu komme, dass andere Risikofaktoren wie Feinstaub, Ozon oder Lärm sehr oft zusammen mit NO2 auftreten. Die Stickstoffdioxid-Belastung lasse sich daher nicht gesondert betrachten. Bei den 6 000 Toten handele es sich außerdem nicht um gesunde Menschen, die plötzlich tot umgefallen sind. Es geht laut Dr. Göttlicher um vorzeitige Todesfälle. Der Sterbezeitpunkt tritt dabei also dem Ablauf der durchschnittlichen Lebenserwartung ein.

Fest steht: Stickstoffdioxid, kurz NO2, schädigt die Schleimhäute und Zellen im Körper. Das Bundesumweltamt hat deswegen für die NO2-Konzentration in der Luft einen Grenzwert festgelegt. Dieser liegt bei 40 µg/m³. Dieser Grenzwert wird in Deutschland vor allem in Gebieten überschritten, in denen viel Autoverkehr herrscht. "Die Messstationen für NO2 dürfen nicht weiter als fünf Meter von einer Fahrbahn entfernt stehen. Doch diese fünf Meter machen enorm viel aus", weiß Dr. Göttlicher. So liegt die Belastung für Verkehrsteilnehmer auf einer vielbefahrenen Straße sehr viel höher als am Gehweg oder in einer Seitenstraße. Göttlicher empfiehlt daher, Staus oder die Rushhour nach Möglichkeit zu meiden. Denn hier steigt die NO2-Belastung besonders stark an.

NK

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