Viele Männer erleben Männlichkeit laut einer großen Analyse als unsicheren Status, der immer wieder bestätigt werden muss. Forschende werteten dafür 123 Experimente mit über 19.000 Teilnehmern aus. Das Ergebnis: Zweifel an der eigenen Männlichkeit beeinflussen messbar das Selbstbild, die Gefühle sowie Einstellungen und Verhalten.
Männlichkeit unter Druck – das macht Stress
Besonders stark wirkt der Druck, wenn Männer selbst zu dem Schluss kommen, nicht dem Männlichkeitsideal zu entsprechen. Auch die Anwesenheit anderer verstärkt das Bedürfnis, „männlich“ aufzutreten.
Die Studie zeigt, dass dieses Empfinden häufig mit emotionalem Stress einhergehen: Angst, Ärger, Unbehagen oder innere Anspannung treten vermehrt auf. Auch der Körper reagiert, etwa durch erhöhte Ausschüttung des Stresshormons Cortisol oder Veränderungen der Herzratenvariabilität – ein Zeichen dafür, dass die Anpassungsfähigkeit an Belastungen sinkt.
Ausgleich durch Risikobereitschaft oder aggressives Verhalten
Um den empfundenen Druck auszugleichen, zeigen Männer häufiger Verhaltensweisen, die Männlichkeit betonen sollen. Dazu zählen etwa Risikobereitschaft oder aggressiveres Auftreten. Auch Einstellungen können sich verändern, etwa hin zu stärkerer Zustimmung zu traditionellen Rollenbildern.
Mehr Problematisches Verhalten wie sexuelle Belästigung
In den Studien zeigte sich zudem, dass problematische Verhaltensweisen zunehmen können, etwa sexuelle Belästigung von Frauen oder das Absprechen von Rechten für sexuelle Minderheiten. Kurzfristig kann das die empfundene Bedrohung abschwächen – langfristig kann es jedoch negative Folgen für die Betroffenen selbst und ihr Umfeld haben.
Was löst Zweifel an der Männlichkeit aus?
Bedrohung der Männlichkeit entsteht zum Beispiel, wenn Männer sich als weniger durchsetzungsstark wahrnehmen, „untypische“ Aufgaben übernehmen oder traditionelle Rollen infrage gestellt werden. Auch gesellschaftliche Veränderungen können dieses Gefühl verstärken.
Die Ergebnisse der Studie sollen helfen, männliche Stressreaktionen und entstehende Konflikte besser zu verstehen. „Wenn wir besser verstehen, wann solche Bedrohungen entstehen und was sie verstärkt oder abschwächt, kann das helfen, Konflikte, Diskriminierung und gesellschaftliche Spannungen zu reduzieren“, fasst Lea Lorenz von der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau zusammen.
DOI: 10.1177/10888683261433109