In Deutschland leben rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz. Bisher galt die Risikoabschätzung vor allem für Menschen ab 40 Jahren. Eine Studie der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig liefert nun Hinweise, dass sich erste Spuren des Risikos schon deutlich früher zeigen.
Lebensstil zählt früher als gedacht
Das Forschungsteam wertete Daten der bundesweiten Gesundheitsstudie NAKO aus. Knapp 150.000 Menschen zwischen 20 und 75 Jahren wurden eingeschlossen. Für jeden Teilnehmenden wurde der sogenannte Lifestyle for Brain Health (LIBRA)-Score berechnet, ein Werkzeug, mit dem sich das Demenzrisiko einschätzen lässt. In die Berechnung fließen Faktoren wie Rauchen, Bewegung, Ernährung, Depression, Bluthochdruck oder Diabetes ein. Je höher der Score, desto höher das Risiko für eine Demenz. Ein höherer LIBRA-Score ging außerdem in allen Altersgruppen mit einer schlechteren geistigen Leistungsfähigkeit einher.
Was junge Menschen besonders betrifft
Bei den 20- bis 39-Jährigen standen vor allem Verhaltens- und psychosoziale Risikofaktoren im Vordergrund, also Rauchen, Bewegungsmangel und depressive Symptome. Bei älteren Menschen waren es eher Herz-Kreislauf-Risiken wie Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte. „Die Risikoreduktion sollte nicht erst mit 40 oder 60 Jahren beginnen, sondern schon im jungen Erwachsenenalter ansetzen", betont Studienleiterin Professorin Steffi G. Riedel-Heller.
Soziale Unterschiede deutlich sichtbar
In der Studie fiel auch auf, dass Menschen mit niedrigerem Einkommen oder Bildungsstand insgesamt ungünstigere Werte aufwiesen. Männer hatten im Schnitt höhere Risikowerte als Frauen. Bei genauerer Betrachtung zeigte sich aber, dass Frauen mit niedrigerem sozialen Status besonders belastet waren – bei ihnen kamen mehrere Risikofaktoren zusammen.
Was bedeutet das für jeden Einzelnen?
Wer früh aufhört zu rauchen, sich regelmäßig bewegt, ausgewogen isst und auf seine psychische Gesundheit achtet, kann das Risiko für eine Demenz im Alter offenbar günstig beeinflussen. Eine Garantie gibt es nicht, aber die Studie liefert deutliche Hinweise, dass sich Vorsorge schon in jungen Jahren lohnt.
Quelle: DOI 10.1002/alz.71477