Viele Risikofaktoren für Demenz sind beeinflussbar
Etwa 45 Prozent aller Demenzfälle werden nach aktuellen Schätzungen mit beeinflussbaren Risikofaktoren in Verbindung gebracht. Dazu zählen unter anderem:
- Bluthochdruck
- Rauchen
- hoher Alkoholkonsum
- Diabetes
- Bewegungsmangel
- Hörverlust
Auf einer internationalen Alzheimer-Konferenz in London wurde nun eine Analyse vorgestellt, die untersucht hat, wie häufig diese Risikofaktoren in verschiedenen Regionen der Welt auftreten und welche Muster sich dabei zeigen. Dafür wurden Daten von 214.251 Menschen ab 50 Jahren aus 14 Ländern und Regionen ausgewertet.
Bildungsniveau, Bluthochdruck und Rauchen besonders häufig
Die Auswertung zeigt, dass sich die Häufigkeit einzelner Risikofaktoren deutlich zwischen Ländern unterscheidet. Ein niedriges Bildungsniveau war vor allem in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen weit verbreitet. Übergewicht und erhöhte Cholesterinwerte traten dagegen häufiger in wohlhabenderen Ländern auf. Unabhängig vom Land gehörten jedoch niedrige Bildung, Bluthochdruck und Rauchen meist zu den häufigsten Risikofaktoren.
Die Studie könnte Hinweise für eine bessere Prävention geben
Trotz der großen Unterschiede zeigte die Studie auch eine wichtige Gemeinsamkeit: Die Risikofaktoren traten weltweit häufig in ähnlichen Konstellationen auf. So bildeten Herz-Kreislauf-Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und erhöhte Cholesterinwerte oft ein gemeinsames Cluster. Gleiches galt für Rauchen und hohem Alkoholkonsum. Nach Ansicht der Forschenden spricht das auch dafür, Präventionsprogramme auf mehrere Risikofaktoren gleichzeitig auszurichten, statt einzelne Faktoren isoliert zu behandeln.
Die Autorinnen und Autoren sehen in den Ergebnissen einen Hinweis darauf, dass es keine weltweit einheitliche Strategie zur Demenzprävention geben kann. Maßnahmen sollten an die jeweiligen gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen eines Landes angepasst werden.
Wie aussagekräftig sind die Ergebnisse?
Die Studie umfasst eine sehr große Zahl an Teilnehmenden und basiert auf bevölkerungsrepräsentativen Datensätzen aus mehreren Ländern. Dennoch hat sie Einschränkungen: Es handelt sich um eine Querschnittsanalyse, sodass sich keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen ableiten lassen. Viele Angaben – etwa zu Diabetes, Bluthochdruck oder Hörproblemen – beruhen auf Selbstauskünften. Außerdem konnten zwei bekannte Risikofaktoren (Luftverschmutzung und Schädel-Hirn-Trauma) mangels Daten nicht berücksichtigt werden. Die Ergebnisse zeigen deshalb vor allem Zusammenhänge und Unterschiede zwischen Ländern, nicht jedoch, welche Maßnahmen das Demenzrisiko tatsächlich senken.
Quelle: DOI 10.1016/j.lanhl.2026.100867