Wie viel Einfluss haben die eigenen Gene auf das Demenzrisiko? Die aktuellen Daten zeigen: Der Lebensstil spielt auch dann eine wichtige Rolle, wenn das Demenzrisiko vererbt wurde. Schon kleine Verbesserungen im Alltag können sich langfristig auszahlen.
Diese sieben Gewohnheiten stehen mit einem geringeren Demenzrisiko in Verbindung
Die Forscher untersuchten sieben Faktoren, die bereits als wichtig für die Herz-Kreislauf-Gesundheit gelten und offenbar auch das Gehirn schützen können:
- regelmäßige Bewegung
- ausgewogene Ernährung
- Übergewicht abbauen oder vermeiden
- nicht rauchen
- gesunder Blutdruck
- normale Blutzuckerwerte
- gesunder Cholesterinspiegel
Je mehr dieser Punkte erfüllt wurden, desto niedriger fiel das Risiko aus, im Laufe des Lebens an Demenz zu erkranken.
Auch bei genetischer Veranlagung lohnt sich ein gesunder Lebensstil
Für die Studie wurden mehr als 11.000 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 54 Jahren über rund 30 Jahre begleitet. Während dieser Zeit entwickelten etwa 2.200 Teilnehmer eine Demenz.
Die Wissenschaftler teilten die Teilnehmer je nach genetischem Risiko in fünf Gruppen ein. Das Ergebnis war in allen Gruppen ähnlich: Wer gesünder lebte, hatte unabhängig von seiner erblichen Veranlagung ein geringeres Demenzrisiko.
Für jede Verbesserung der sieben Lebensstilfaktoren um einen Punkt sank das Demenzrisiko statistisch um rund neun Prozent. Menschen mit einem hohen genetischen Risiko konnten dieses laut Studie durch einen gesunden Lebensstil um bis zu 43 Prozent ausgleichen.
Was bedeutet das für den Alltag?
Die Ergebnisse zeigen, dass Gene zwar eine wichtige Rolle spielen, aber nicht allein über das spätere Demenzrisiko entscheiden. „Selbst Menschen mit dem höchsten genetischen Risiko, die einen gesunden Lebensstil haben, haben wahrscheinlich ein geringeres Demenzrisiko“, sagte Studienleiterin Dr. Adrienne Tin von der Universität Mississippi in Jackson.
Viele der untersuchten Faktoren lassen sich im Alltag beeinflussen, etwa durch regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung oder eine gute Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und erhöhten Cholesterinwerten. Gerade Menschen mit einer familiären Vorbelastung können davon profitieren, diese beeinflussbaren Risikofaktoren möglichst früh im Blick zu behalten. Die Studie erschien im Fachjournal „Neurology“.
Quelle: DOI 10.1212/WNL.0000000000200520