Hirntumor-Impfung: Zwei Drittel der Patienten lebten nach acht Jahren noch

Dr. Frank Schäfer  |  09.07.2026 12:04 Uhr

Eine neu entwickelte Impfung gegen bestimmte Hirntumoren könnte die Behandlung von Gliomen verbessern. In einer klinischen Studie lebten zwei Drittel der Patienten auch nach acht Jahren noch. Experten mahnen zwar zur Vorsicht, sprechen aber von ermutigenden Ergebnissen.

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Eine neue Impfstrategie gegen bestimmte Hirntumoren wird derzeit in klinischen Studien untersucht.
© whyframestudio/iStockphoto

Zwei Drittel der Patienten lebten nach acht Jahren noch

Bei bestimmten bösartigen Hirntumoren – sogenannten Gliomen – könnte eine Impfung das Immunsystem so aktivieren, dass Patienten langfristig profitieren. In einer klinischen Studie waren zwei Drittel der Teilnehmer auch nach acht Jahren noch am Leben. Das macht Hoffnung, auch wenn die Ergebnisse noch bestätigt werden müssen. 

Überraschend gute Langzeitergebnisse

Gliome gehören mit zu den schwierigsten Krebserkrankungen. Sie lassen sich meist nicht vollständig operieren, und auch Strahlen- sowie Chemotherapie können das Tumorwachstum häufig nur begrenzt bremsen.

In der vorgestellten Phase-1-Studie erhielten 33 Patienten mit neu diagnostizierten hochgradigen Astrozytomen – eine häufige Form von Gliomen – zusätzlich zur Standardbehandlung einen neu entwickelten Peptidimpfstoff. Dieser richtet sich gegen eine genetische Veränderung, die sogenannte IDH1-Mutation, die bei vielen Patienten mit Gliomen vorkommt. 

Nach einer Nachbeobachtungszeit der Studie von bis zu acht Jahren zeigte sich:

  • 66 Prozent der Studienteilnehmer lebten noch.
  • Bei 42 Prozent war die Erkrankung während des Beobachtungszeitraums nicht fortgeschritten.
  • Bei einigen Patienten, deren Tumor vollständig entfernt werden konnte, waren die Überlebensraten noch höher.

Zum Vergleich: Patienten mit ähnlichen Tumoren erreichten in früheren Studien meist nur eine mittlere Überlebenszeit von etwa 2,5 bis 5 Jahren.

So bekämpft die Impfung den Tumor 

Der Impfstoff trainiert das Immunsystem darauf, Tumorzellen mit der veränderten IDH1-Struktur zu erkennen und gezielt anzugreifen. Ein Vorteil des neuen Impfstoffes besteht zudem darin, dass er sich gegen ein bei den vielen Gliomen vorliegendes Merkmal richtet, sodass er in sehr vielen Fällen einsetzbar wäre und nicht für jeden Patienten individuell hergestellt werden müsste. Der Impfstoff lässt sich außerdem mit anderen modernen Therapien kombinieren, was die Wirksamkeit weiter verbessern könnte.

Warum die Studie noch kein Beweis für eine neue Standardtherapie ist

Die in der Fachzeitschrift „Nature Cancer“ veröffentlichte Studie deutet darauf hin, dass sich mit dem neuen Impfstoff die Therapie bei Gliomen in vielen Fällen verbessern lässt. Insgesamt sind die Ergebnisse aber noch kein endgültiger Beleg, dass die Impfung nun eine neue Standardtherapie von Gliomen ist.

Studienleiter Lukas Bunse, Sektionsleiter Neuroonkologie an der Universitätsmedizin Mannheim und Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, betont: „In der Phase-I-Studie wird primär die Sicherheit und die Immunreaktion untersucht. Bei Rückschlüssen zur Wirksamkeit ist Vorsicht geboten, da die Studie keine Kontrollgruppe hat. Dennoch liefern die Ergebnisse starke Hinweise auf einen klinischen Nutzen.“

Auf Grundlage der vorliegenden Langzeitdaten ist bereits eine multizentrische, randomisierte Phase-2-Studie geplant, die die Wirksamkeit des Impfstoffs nunmehr genauer prüfen soll. 

Quelle: DOI 10.1038/s43018-026-01199-y

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