Mehr Kraft durch Schokoladenduft? Was Forscher im Beintraining beobachteten

Wolf Löchel  |  10.07.2026 14:43 Uhr

Vor dem Training nur an Schokolade riechen und plötzlich deutlich mehr Wiederholungen schaffen? Genau das beobachteten Forscher in einer kleinen Studie. Warum der Effekt überrascht und warum man die Ergebnisse trotzdem vorsichtig einordnen sollte.

Nicht trinken, nur riechen? Einer Studie zufolge könnte schon der bloße Duft von Schokolade die Trainingsleistung steigern.
© PeopleImages/iStockphoto

Bis zu 18 Wiederholungen zusätzlich schafften Studienteilnehmer, die vor dem Beintraining kurz an Schokolade geschnuppert hatten. Forscher der University of Malaya fanden diesen ungewöhnlichen Zusammenhang in einer kleinen Studie.

18 Wiederholungen mehr allein durch Schokoladenduft?

Für die Untersuchung rochen 23 gesunde, moderat trainierte Männer Anfang zwanzig vor und zwischen ihren Übungssätzen an einer von drei Proben: an flüssiger Zartbitterschokolade mit 90 Prozent Kakao, an Vollmilchschokolade mit 60 Prozent oder an geruchlosem Wasser als Vergleich. Anschließend absolvierten sie Beinstrecker an einem Trainingsgerät, und das nüchtern, nach mindestens zehn Stunden ohne Essen.

Das Ergebnis: Der Geruch der Zartbitterschokolade brachte im Schnitt etwa 18 zusätzliche Wiederholungen, der Vollmilch-Duft rund neun, jeweils verglichen mit Wasser. Bemerkenswert dabei: Die Teilnehmer strengten sich dabei nicht subjektiv mehr an, sie schafften einfach mehr.

Warum könnte der Duft überhaupt wirken?

Die Forschenden vermuten, dass der Geruch den Appetit beeinflusst. Wer an der intensiven Zartbitterschokolade roch, berichtete über weniger Hunger und ein stärkeres Sättigungsgefühl. Ihre Deutung: Der vertraute Duft eines sättigenden Lebensmittels täuscht dem Körper gewissermaßen eine bevorstehende Mahlzeit vor. Allein die Erwartung von Essen könnte also ähnliche Vorgänge auslösen wie das Essen selbst.

Die Schwächen der Untersuchung

So charmant der Befund klingt, belastbar ist er noch nicht. An der Untersuchung nahmen nur 23 junge Männer teil, aufgeteilt auf drei kleine Gruppen. Die Forschenden betonen selbst, dass ihre Erklärungen vorläufig bleiben, denn sie haben weder Hormone noch Nervenbahnen gemessen. Zudem verriet die geruchlose Wasserprobe möglicherweise, wer zur Vergleichsgruppe gehörte. 

Ganz auf Schokolade beschränkt ist der Trick vermutlich nicht. Nach Einschätzung der Forschenden könnten auch andere vertraute, appetitanregende Düfte ähnlich wirken. Wichtig sei nur, dass man den Geruch als angenehm empfindet. Ob sich der Effekt bestätigt, müssen größere Studien erst zeigen. Bis dahin bleibt Schokoladenduft vor dem Training eine spannende Beobachtung und keine Empfehlung.

Quelle: DOI 10.3389/fphys.2026.1834757 

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