Für zukünftige Pandemien vorbereitet sein: Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) arbeitet an einem Impfstoff gegen die schwere Atemwegserkrankung MERS. Neue Studiendaten zeigen: Auch zwei Jahre nach der letzten Impfung bestand noch eine stabile Immunantwort gegen das MERS-Coronavirus.
Warum ist MERS relevant?
Das MERS-Coronavirus gehört zu den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als prioritär eingestuften Krankheitserregern. Die WHO sieht bei dem Virus ein hohes Risiko für gesundheitliche Notlagen mit internationaler Bedeutung. Zwar sind Infektionen beim Menschen bislang selten und können auch mild verlaufen oder unbemerkt bleiben. Gleichzeitig zeigt der Blick auf die gemeldeten Fälle, dass MERS schwer verlaufen kann: Mehr als ein Drittel der der WHO bekannten Erkrankungen endete tödlich. Bislang gibt es keinen zugelassenen Impfstoff und keine spezifische Therapie gegen MERS, wie das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) betont.
Bedeutung für die Vorsorge gegen neue Pandemien
Da MERS selten auftritt, sind große Wirksamkeitsstudien schwer umzusetzen. Umso wichtiger sind detaillierte Immunanalysen in frühen Studienphasen. Die nun vorliegenden Langzeitdaten schließen laut DZIF eine zentrale Wissenslücke. „Diese Studie ist ein weiterer wichtiger Schritt für die globale Vorbereitung auf neu auftretende Viren“, sagt Studienleiterin Prof. Dr. Marylyn Addo.
Der Impfstoffkandidat: So funktioniert er
Untersucht wurde der Impfstoffkandidat MVA-MERS-S, der auf einem abgeschwächten Pockenvirus basiert. Er präsentiert dem Immunsystem das sogenannte Spike-Protein des MERS-Coronavirus. Dadurch lernt der Körper, den Erreger zu erkennen und gezielt abzuwehren.
Auffrischungsimpfung stärkt den Langzeitschutz
In einer frühen klinischen Phase-I-Studie erhielten gesunde Erwachsene insgesamt drei Impfungen. Für die Langzeitbeobachtung untersuchte das DZIF-Team bei 48 Teilnehmenden, wie das Immunsystem 24 Monate nach der dritten Impfung reagiert. Dabei zeigte sich, dass sowohl Antikörper als auch spezialisierte Abwehrzellen weiterhin vorhanden waren. Die Antikörperspiegel blieben stabil und konnten sogar klinisch relevante Virusvarianten neutralisieren.
Das spricht dafür, dass das Immunsystem das Virus auch lange nach der Impfung noch erkennt und gezielt reagieren kann. „Dass wir zwei Jahre nach der letzten Impfung noch eine so stabile Immunantwort messen können, war in dieser Form nicht selbstverständlich“, erklärt Erstautorin Dr. Leonie Mayer in einer Mitteilung.
Quelle: DOI 10.1038/s41467-025-68248-5