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Corona-Mutationen: Wichtige Varianten im Überblick

PZ/NK/RF  |  31.03.2021

Seit einigen Monaten verbreiten sich verschiedene Varianten des neuartigen Coronavirus, unter anderem die Mutation B.1.1.7 aus Großbritannien. Was zu den Mutanten bislang bekannt ist und was sie für den Impfschutz bedeuten, zeigt diese Übersicht.

Junge Frau im Labor mit Maske beim Forschen.
Sind sie ansteckender oder gar tödlicher? Mutationen des Coronavirus beschäftigen derzeit Forscher auf der ganzen Welt.
© yalax/iStockphoto

Im April 2020 tauchte erstmals ein neuer Stamm von SARS-CoV-2 auf: die Mutante D614G. Sie löste in vielen Regionen der Welt die bislang vorherrschenden Varianten ab. Bald zeigte sich, dass diese Variante eine höhere Replikationsrate in menschlichen Zellen hat und auch infektiöser ist. Inzwischen ist sie weltweit die dominierende Variante.

In den vergangenen Monaten sind aber auch weitere Varianten aufgetaucht, die viel mediales Interesse auf sich gezogen haben. Bei jeder neuen Variante stellt sich die Frage, ob sie vielleicht noch ansteckender ist, stärkere Symptome hervorruft oder gar noch tödlicher ist.

B.1.1.7 aus Großbritannien

Die Variante B.1.1.7 wurde erstmals im September 2020 in Großbritannien nachgewiesen. Sie verbreitete sich dort rasant und erreichte bis Ende Januar mehr als 80 Länder. Einmal angekommen, setzt sie sich rasch gegen andere Varianten durch. In Deutschland wurde sie erstmals im Dezember 2020 nachgewiesen, und ihr Anteil verdoppelt sich ungefähr alle zehn bis zwölf Tage. Mittlerweile ist sie in Deutschland zur dominierenden Variante geworden. Laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) hatte sie bis Kalenderwoche 12 einen Anteil von 88 Prozent an allen Coronavirus-Nachweisen hierzulande.

Die B.1.1.7-Variante gilt als deutlich ansteckender (zwischen 30 und 70 Prozent) als das nicht mutierte Coronavirus und führt zu höheren Viruskonzentrationen im Nasen-Rachen-Raum. Nach vorläufigen Datenauswertungen aus Großbritannien scheint sie auch um etwa 70 Prozent tödlicher zu sein. Fachleute vermuten, dass aufgrund des hohen Anteils von B.1.1.7 weiter mit einer exponenziellen Steigerung der Covid-19-Fälle in Deutschland zu rechnen ist. Dass sie bei Kindern und Jugendlichen zu schwereren Verläufen führt, konnte laut einer aktuellen Studie im Fachjournal "The Lancet Child & Adolescent Health" nicht bestätigt werden. Die Immunantwort auf eine natürliche Infektion oder eine Impfung scheint sie nach bisherigen Erkenntnissen nicht stark zu unterlaufen. Für verschiedene Präparate etwa von Biontech, Novavax oder den russischen Impfstoff Sputnik V liegen hierzu Daten vor.

B.1.351 aus Südafrika

Die Variante B.1.351 wurde zuerst im Dezember in Südafrika identifiziert, wo sie rasch der dominierende Stamm wurde. Sie breitete sich von dort in andere afrikanische Länder, aber auch nach Australien, Europa und Südamerika aus und hat inzwischen weltweit etwa 40 Länder erreicht. Im Januar 2021 wurden auch erste Fälle in Deutschland bekannt. Inzwischen hat sie laut RKI-Angaben bundesweit einen Anteil von 0,8 Prozent der untersuchten Proben.

B.1.351 ist nach bisherigen Erkenntnissen infektiöser als seine Vorgängerviren, aber es gibt keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe oder Todesfälle. Experten bereitet die Variante vor allem deswegen Sorgen, weil sie sich der Immunantwort nach Impfung oder Infektion teilweise entzieht. Das zeigt sich auch in der Schutzwirkung von Impfstoffen. Am besten ist das für den Novavax-Impfstoff untersucht, dessen Schutzwirkung gegen das unmutierte Virus etwa 95 Prozent und gegen B.1.351 nur etwa 50 Prozent beträgt. Das Gleiche gilt für den Vektorimpfstoff von Astra-Zeneca: Statt einer Wirksamkeit von 62 Prozent besaß der Impfstoff gegen die Variante eine Wirksamkeit von nur 10,4 Prozent. Die Wirksamkeit bezieht sich dabei auf die Verhinderung von allen symptomatischen Covid-19-Erkrankungen. Inwieweit schwere Verläufe verhindert werden, muss noch geklärt werden. Die B.1.351-Variante ist der Hauptrund, warum Hersteller inzwischen an Aktualisierungen ihrer Impfstoffe arbeiten.

P.1 aus Brasilien

Die Variante P.1 wurde im Januar 2021 erstmals bei vier Personen in Japan nachgewiesen, die aus Brasilien eingereist waren. Sie ist im Bundesstaat Amazonas die dominierende Variante. Erstmals trat sie offenbar Ende 2020 in der Stadt Manaus auf. Von dort verbreitete sie sich in bislang etwa 20 Länder weltweit. In Deutschland wurde sie Ende Januar erstmals nachgewiesen. Laut aktueller Analyse des RKI ist sie hierzulande noch ausgesprochen selten: In der Kalenderwoche 12 betrug ihr Anteil an den positiven Proben 0,1 Prozent.

Aufgrund der genetischen Ähnlichkeit mit der südafrikanischen Variante B.1.351 werden auch für P.1 eine erhöhte Übertragbarkeit und verringerte Effektivität der Impfstoffe angenommen. Laut einer Studie aus Brasilien ist sie zwischen 1,4- und 2,2-mal ansteckender als das ursprüngliche Virus. Ansonsten ist zu den Eigenschaften der Variante bislang wenig bekannt.

CAL.20C aus Kalifornien

Die Variante CAL.20C trat erstmals im Juli 2020 im County Los Angeles auf, wurde bis Oktober aber nicht mehr nachgewiesen. Danach nahm ihre Häufigkeit vor allem in Südkalifornien stark zu, wo sie im Januar einen Anteil von 35 beziehungsweise 44 Prozent ausmachte. Sie wird dafür verantwortlich gemacht, dass die Zahl der Neuinfektionen in Kalifornien in den letzten Wochen so stark gestiegen ist. Die Variante hat sich bis Ende Januar in 26 US-Bundesstaaten und weitere Länder wie Australien, Singapur, Israel und Dänemark verbreitet. Inwieweit die Variante infektiöser und krankmachender ist als andere Stämme oder ob sie die Impfwirkung herabsetzt, ist noch unklar.

Indien

In Indien wurde kürzlich eine neue Variante im Bundesstaat Maharashtra entdeckt, die zwei Mutationen in sich vereint. Dabei handelt es sich um Mutationen, wie sie bereits ähnlich in der brasilianischen und der kalifornischen Variante vorkommen. In einer Pressemitteilung des indischen Gesundheitsministeriums heißt es dazu, dass diese Mutationen das Virus ansteckender machen. Genaueres dazu ist aber bisher nicht bekannt, denn es wurden erst wenige Hundert Fälle in dem Bundesstaat nachgewiesen, der derzeit die höchste Zahl an Neuinfektionen in Indien ausweist. Laut indischem Gesundheitsministerium sei diese Mutation nicht für den starken Anstieg der Fälle in einzelnen Landesteilen verantwortlich. In Maharashtra dominiert nach wie vor die britische Variante.

Noch mehr Varianten zu erwarten

Bislang sind schon mehr als 4000 verschiedenen Varianten weltweit bekannt, von denen nicht alle so sorgfältig beobachtet werden wie die hier genannten. Da sich das Coronavirus weiterentwickelt, ist weiterhin mit dem Auftreten von neuen Varianten zu rechnen.

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