Was ist das prämenstruelle Syndrom (PMS)?
Das prämenstruelle Syndrom, kurz PMS, umfasst eine Vielzahl körperlicher und psychischer Beschwerden, die in den Tagen vor der Menstruation auftreten können. Typische Symptome sind etwa Bauchschmerzen, Brustspannen, Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen oder Müdigkeit.
“Bisher gibt es in Deutschland keine Leitlinie zur Behandlung des prämenstruellen Syndroms (PMS) und auch zur Therapie ist wenig bekannt”, heißt es in der aktuellen Ausgabe der Evi-News, einem Newsletter zur evidenzbasierten Selbstmedikation. Der Beitrag gibt einen Überblick über Symptome, mögliche Ursachen und Therapieoptionen bei PMS.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei PMS?
Je nach Ausprägung der Beschwerden kommen unterschiedliche Therapien infrage. Ärztinnen und Ärzte verordnen bei stärkerer Symptomatik teilweise hormonelle Verhütungsmittel oder bestimmte Antidepressiva aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), zum Beispiel Fluoxetin.
Bei schweren Verläufen können auch sogenannte GnRH-Agonisten eingesetzt werden, um den Zyklus zeitweise zu unterdrücken. Häufig greifen Betroffene außerdem zu Schmerzmitteln, vor allem im Rahmen der Selbstmedikation.
Selbstmedikation bei PMS: Diese Mittel kommen infrage
Viele Frauen versuchen zunächst, ihre Beschwerden mit frei verkäuflichen Präparaten zu lindern. Laut Evi-News können folgende Mittel unterstützend eingesetzt werden:
- Mönchspfefferfrüchte (Vitex agnus castus)
- Johanniskraut (Hypericum perforatum)
- Vitamin B6
- Vitamin E
- Magnesium
- Calcium (1000 bis 1200 mg pro Tag)
In internationalen Leitlinien, etwa aus Großbritannien und den USA, werden diese Optionen teilweise ergänzend empfohlen – insbesondere, wenn Schmerzen oder Stimmungsschwankungen im Vordergrund stehen. “Die Behandlung eines PMS sollte grundsätzlich immer ärztlich begleitet werden”, betont das Evi-News-Team.
Vitamin D und Vitamin E: Können sie PMS-Beschwerden reduzieren?
Vitamin D wird häufig als vielseitiger Gesundheitsfaktor diskutiert. Ob es auch bei Menstruationsbeschwerden helfen kann, wurde in einer Studie untersucht, die im Fachjournal “BMC Women’s Health” veröffentlicht wurde.
In der doppelblinden, randomisierten und placebokontrollierten Studie nahmen 106 Frauen mit primärer Dysmenorrhö teil, also mit schmerzhaften Menstruationskrämpfen. Eine Gruppe erhielt Vitamin-D- und Vitamin-E-Präparate, die andere ein Placebo. Die Dosierung lag bei:
- Vitamin E: 400 I. E. täglich, zwei Tage vor bis fünf Tage nach Beginn der Menstruation
- Vitamin D: 50.000 I. E. einmal pro Woche über acht Wochen
Nach vier Monaten zeigten sich deutliche Effekte: Sowohl die Schmerzintensität als auch PMS-Symptome gingen signifikant zurück. Besonders stark verbesserten sich körperliche Beschwerden wie Schmerzen oder Krämpfe. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf. Am häufigsten berichteten Teilnehmerinnen über Übelkeit.
Vorsicht bei der Dosierung von Vitamin D und Vitamin E
Trotz der positiven Ergebnisse sehen die Autoren des Evi-News-Beitrags Einschränkungen bei der Aussagekraft der Studie. Vor allem die eingesetzten Dosierungen werfen Fragen auf. In Deutschland gelten derzeit andere Empfehlungen:
- Vitamin E: maximale tägliche Zufuhr etwa 30 mg
- Vitamin D: bei nachgewiesenem Mangel bis zu 4000 I. E. pro Tag
Die in der Studie verwendeten Mengen liegen also teilweise deutlich darüber. Deshalb lässt sich daraus keine direkte Dosierungsempfehlung ableiten. Eine Nahrungsergänzung kann laut Evi-News erwogen werden, sollte aber möglichst ärztlich begleitet werden. Besonders bei Vitamin D empfiehlt es sich, zunächst den Vitamin-D-Spiegel im Blut bestimmen zu lassen.
Vitamine können unterstützen, ersetzen aber keine ärztliche Beratung
Vitamin D und Vitamin E könnten bei Menstruationsschmerzen und PMS-Beschwerden möglicherweise helfen. Erste Studien liefern Hinweise auf eine Verbesserung von Schmerzen und körperlichen Symptomen.
Trotzdem gilt: Die Datenlage ist begrenzt, und die optimale Dosierung ist noch unklar. Wer Nahrungsergänzungsmittel gegen PMS ausprobieren möchte, sollte dies am besten gemeinsam mit einem Arzt oder Apotheker besprechen.
Wer ist Evi-News?
Evi-News ist ein regelmäßig erscheinender Newsletter zur Selbstmedikation auf Grundlage wissenschaftlicher Studien. Er richtet sich vorwiegend an Apothekerinnen und Apotheker und wird vom Zentrum für Arzneimittelsicherheit an der Universität Leipzig erstellt. Vor jeder Veröffentlichung durchläuft er einen internen Prüfungsprozess, um die hohe fachliche Qualität sicherzustellen.