Chronische Rückenschmerzen zählen weltweit zu den häufigsten Gründen für Beschwerden und Arbeitsausfälle. Behandelt wird meist ohne Operation, mit Bewegung, manueller Therapie, Massage, Akupunktur oder Medikamenten. Wie gut diese Verfahren wirken und vor allem wie lange, hat nun ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Hochschule Bochum untersucht. Dabei schnitten aktive Verfahren wie Bewegung ähnlich gut ab wie passive Maßnahmen, z.B. Massage.
551 Studien zeigen: Diese Therapien lindern Beschwerden kurzfristig
Für die Analyse wertete das Team 551 Studien mit mehr als 71.000 Patienten aus. Es handelt sich um die bislang größte Auswertung zu konservativen Behandlungen chronischer Rückenschmerzen. Das Ergebnis: Viele Behandlungen lindern Schmerzen und verbessern die Beweglichkeit spürbar, darunter Akupunktur, Bewegungstraining, manuelle Therapie, Massage, Elektrotherapie und multidisziplinäre Schmerzprogramme.
Der entscheidende Punkt ist die Dauer der Wirkung. Der Nutzen zeigt sich vor allem kurzfristig, mit dem größten Effekt nach etwa zehn Wochen. Das entspricht ziemlich genau dem Ende der jeweiligen Behandlung. Nach rund einem Jahr zeigte keine der untersuchten Therapien einen spürbaren Vorteil gegenüber keiner Behandlung mehr. Zwar blieben bei einzelnen Methoden noch geringe Unterschiede messbar, doch sie waren zu klein, als dass Betroffene sie tatsächlich als Linderung gespürt hätten.
Chronische Rückenschmerzen: Massage hilft ähnlich gut wie Bewegung
Ein zweites Ergebnis überrascht, weil es der verbreiteten Annahme widerspricht, dass vor allem aktive Verfahren bei Rückenschmerzen helfen. Aktive Verfahren wie Bewegungstraining und passive wie Massage oder manuelle Therapie wirkten der Studie zufolge ähnlich gut. Ein klarer Sieger unter den Methoden zeigte sich nicht.
Für die Forschenden legt das einen bemerkenswerten Schluss nahe: Wenn so unterschiedliche Ansätze ähnlich abschneiden, zählt womöglich weniger der spezifische Wirkmechanismus einer einzelnen Methode als vielmehr allgemeine Faktoren wie die Zuwendung in der Behandlung oder der natürliche Verlauf der Beschwerden. Diese Deutung ist allerdings eine Einordnung der Autoren, kein direkter Messwert.
Wie aussagekräftig ist die neue Studie?
Bei aller Größe der Auswertung mahnen die Forschenden zur Vorsicht. Die Aussagekraft der zugrunde liegenden Studien stuften sie überwiegend als niedrig bis sehr niedrig ein, vor allem wegen uneinheitlicher Ergebnisse und methodischer Schwächen der Einzelstudien. Die Befunde sind also ein starker Hinweis, aber kein endgültiges Urteil über einzelne Verfahren.
Was die Ergebnisse für Patienten bedeuten
Wichtig ist, das Ergebnis nicht misszuverstehen: Die Therapien helfen, nur eben meist nicht dauerhaft. Wer unter akuten Beschwerden leidet, kann von einer Behandlung also durchaus profitieren. Für den langfristigen Umgang mit chronischen Rückenschmerzen legt die Studie aber nahe, weniger auf die eine perfekte Einzelbehandlung zu setzen und mehr auf eine dauerhafte Strategie.
Studienleiter Daniel Belavy plädiert dafür, chronische Rückenschmerzen ähnlich zu behandeln wie andere Dauererkrankungen, etwa Bluthochdruck oder Diabetes: mit langfristiger Begleitung, Aufklärung und einem aktiven Umgang im Alltag, statt mit kurzen, immer wiederkehrenden Behandlungszyklen. Welche Bausteine dabei am besten tragen, müssen künftige Studien noch klären.
Quelle: DOI 10.1136/bmjmed-2025-001908