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Nahrungsmittelunverträglichkeit: Wenn Genuss und Leiden aufeinanderprallen

20.01.2016

Ein romantisches Dinner zu zweit, und dann der Satz: „Das vertrage ich nicht, darauf reagiere ich allergisch“ – ein absoluter Stimmungskiller. Noch schlimmer allerdings, wenn ein Lebensmittel vom Teller oder aus dem Glas tatsächlich zu juckendem Hautauschlag oder plötzlichem Durchfall führt. Ausgehend von diesem Szenario diskutierte Professor Dr. Martin Smollich beim diesjährigen Fortbildungskongress der deutschen Bundesapothekerkammer das Thema Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Mit Smollich hatten die Apotheker einen ausgewiesenen Fachmann für dieses Thema eingeladen, er kommt von der Mathias Hochschule Rheine, Fakultät für Gesundheitswissenschaften Clinical Nutrition. Für Betroffene hat er zahlreiche Tipps auf Lager.

Einige Menschen haben eine Unverträglichkeit gegen histaminhaltige Lebensmittel.
Wer Histamin nicht verträgt, der greift lieber zu Weißwein als zu Rotwein.
© highwaystarz - Fotolia

„Darauf bin ich allergisch“: dieser vielgehörte Satz stimmt gerade in Bezug auf Nahrungsmittel medizinisch nur selten. Wird ein Lebensmittel nicht vertragen, liegt viel häufiger eine Nahrungsmittelunverträglichkeit vor als eine echte Allergie. Der Unterschied hat praktische Bedeutung: Bei einer Allergie genügen Spuren des Auslösers, um das ganze Immunsystem in Alarmstimmung zu versetzen. Bei einer Unverträglichkeit fehlt es eher an der ausreichenden Menge bestimmter verarbeitender Enzyme im Körper, so dass kleine Mengen vertragen werden, große aber den Stoffwechsel überfordern.

Als eines von vielen Beispielen für eine Nahrungsmittelunverträglichkeit beschrieb Smollich die Reaktion vieler Menschen auf histaminhaltige Lebensmittel. Histamin ist die Substanz, die auch bei Allergien massiv vom Organismus selbst produziert wird und unter anderem für rote Quaddeln auf der Haut sorgt. Histamin kommt in nicht unerheblichen Mengen auch in Lebensmitteln vor. Dagegen hat der gesunde Mensch spezifische Schutzstoffe, genannt Diaminooxidase (DAO). Wenn davon zu wenig im Körper vorhanden ist, kommt es je nach Histaminzufuhr zu Kopfschmerzen, Hitzewallung und Juckreiz, Herzbeschwerden und Atembeschwerden. Während gesunde Menschen etwa 75 Milligramm Histamin vertragen, sind es bei für Histamin überempfindlichen Menschen nur 15 Mikrogramm.

Eine bessere Kenntnis der Histamingehalte in Lebensmitteln nimmt betroffenen Menschen den Leidensdruck. Zur Orientierung: Rotwein enthält 2,2 Milligramm pro Liter Histamin, Weißwein nur 0,02 Milligramm pro Liter. Weißbier liefert 0,3 Milligramm, Pils im Vergleich nur 0,02 Milligramm. Fettarme Milch enthält nur einen Bruchteil Histamin gegenüber Vollmilch. Bei Käse gilt: Je höher der Reifegrad, desto höher ist auch der Histamingehalt. Es lohnt also, sich in ausführlichen Lebensmittelisten über den Histamingehalt zu informieren. Grundsätzlich gilt: Histamin entsteht beim Reifeprozess. Je frischer ein Lebensmittel, desto weniger Histamin enthält es. Das gilt extrem für Fisch.

Wenn die Romantik beim und nach dem Dinner auf keinen Fall unter so einer Unverträglichkeit leiden soll, hilft auch ein Antihistaminikum aus der Apotheke, empfahl Smollich zum Schluss.

JPL

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