Das passiert bei über 30 Grad im Körper
Ab etwa 30 Grad Celsius gerät der Körper in eine sogenannte passive Hitzebelastung. Was dann geschieht beschreibt der Sportwissenschaftler Justin Lawley von der Universität Innsbruck:
- Haut und Körperkern erwärmen sich.
- Die Blutgefäße der Haut weiten sich.
- Die Schweißproduktion steigt, um Wärme abzugeben.
- Das Herz schlägt schneller, damit weiterhin genug Blut zu den lebenswichtigen Organen und gleichzeitig zur Haut gelangt.
- Das Blut sammelt sich in den Beinvenen, und durch das Schwitzen verliert der Körper Flüssigkeit. Dadurch sinkt das Blutvolumen im zentralen Kreislauf.
- Das belastet das Herz zusätzlich und kann bei Menschen mit Herzproblemen Beschwerden wie Brustenge, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen auslösen.
- Auch die Durchblutung des Gehirns kann sich verringern, vor allem im Stehen, was Schwindel oder Ohnmacht begünstigt.
Lawley verweist auf Studien, nach denen während und nach Hitzewellen Krankenhauseinweisungen und Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich zunehmen.
Dickflüssiges Blut – schon 1 Grad Celsius mehr erhöht Sterblichkeit
Wie stark die Hitze speziell die Gefäße fordert, betonte auch Professor Alexander Oberhuber von der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin auf einer Pressekonferenz. Durch den Flüssigkeitsverlust werde das Blut dickflüssiger, was die Bildung von Gerinnseln begünstige und ein Risikofaktor für Schlaganfälle sei. „Schon ein Anstieg der Umgebungstemperatur um 1 Grad Celsius kann die Sterblichkeit durch Herzinfarkt und Schlaganfall messbar erhöhen", so Oberhuber.
Tropische Nächte – nicht nur ein Schlafräuber
Besonders problematisch sind tropische Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt. Kann der Körper nachts nicht ausreichend abkühlen, verzögert sich das Einschlafen, der erholsame Tiefschlaf nimmt ab und man wacht häufiger auf. Die Herzfrequenz bleibt erhöht, Stresshormone steigen, und der nächtliche Abfall der Körpertemperatur bleibt aus. Wiederholt schlechter Schlaf kann auf Dauer Konzentration, Gedächtnis und Stimmung beeinträchtigen und das Herz-Kreislauf-System zusätzlich belasten. Oberhuber zufolge erhöht extreme nächtliche Hitze laut einer Studie des Helmholtz-Zentrums München das Schlaganfallrisiko um sieben Prozent.
Warum ältere Menschen besonders gefährdet sind
Mit dem Alter lassen die körpereigenen Mechanismen zur Regulation nach. Hinzu kommen häufig Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes, die Herz und Gefäße zusätzlich belasten. Ein weiteres Problem: Ältere Menschen nehmen Temperaturen und Durst oft schlechter wahr und trinken dadurch zu wenig. Auch für Frauen deuten manche Untersuchungen auf ein erhöhtes Risiko hin, eindeutig geklärt ist das aber nicht.
Das hilft: trinken, kühlen, klug bewegen
Der Körper kann sich an Hitze gewöhnen. Diese Hitzeakklimatisation beginnt nach vier bis sieben Tagen und ist nach etwa zwei Wochen gut ausgeprägt. Für den Alltag empfehlen die Fachleute:
- ausreichend trinken, idealerweise Wasser, bei starkem Schwitzen auch mit Elektrolyten
- kühle Aufenthaltsorte aufsuchen, auch nachts
- körperliche Anstrengung in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegen
- leichte, atmungsaktive Kleidung tragen
- aktive Kühlung nutzen, etwa Ventilatoren, Schatten oder kalte Handtücher
Das sind die Warnzeichen von Überhitzung
Wichtig sind außerdem die Warnzeichen einer Überhitzung: starker Durst, trockener Mund, Schwindel, Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder ein auffällig schneller Puls. Treten solche Symptome auf, sollte man die Aktivität sofort beenden und für Kühlung und Flüssigkeit sorgen. Bei Anzeichen wie Verwirrtheit oder neurologischen Ausfällen sofort medizinische Hilfe rufen.
Quelle: DOI 10.1038/s41598-022-24216-3