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Nachts hellwach durch Lichtverschmutzung?

18.01.2012

Wenn Jugendliche nachts nicht müde werden, könnte es an Lichtverschmutzung liegen, meinen Heidelberger Wissenschaftler. Dazu trage auch die helle Beleuchtung in städtischen Wohnvierteln bei.

Nächtliche Straßenbeleuchtung
Nächtliche, helle Beleuchtung in städtischen Wohnvierteln beeinflusst die innere Uhr von Jugendlichen.
© Thomas Müller - Fotolia

Helles Licht am Morgen scheucht uns aus dem Bett. Helles Licht am Abend auch. Das gilt auch für öffentliche Beleuchtung in Wohngebieten. Jugendliche, die in nachts hell beleuchteten, städtischen Wohnvierteln schlafen, haben einen deutlich späteren Tagesrhythmus als Jugendliche in dunkleren, ländlichen Gebieten, haben Wissenschaftler der Pädagogischen Hochschule Heidelberg herausgefunden.

In einer Studie befragten sie rund 1500 Jugendliche unter anderem zu ihren bevorzugten Schlafenszeiten, den Zeiten, die sie vor Bildschirmen verbringen und ihrem Konsum von Alkohol, Koffein und Zigaretten sowie nach Alter und Wohnort. Diesen Angaben stellten die Forscher Daten zur nächtlichen Lichtintensität – unter anderem anhand von Satellitenbildern – gegenüber.

Die nächtliche Lichtverschmutzung könne die innere Uhr der Jugendlichen nachhaltig stören, so die Heidelberger Forscher. Denn der Körper benötige Dunkelheit, um zum Beispiel die zum Einschlafen nötige Melatonin-Ausschüttung zu erhöhen und die Körpertemperatur zu senken. Bei nächtlichen Computerspielen oder Chat-Aktivitäten die Deckenbeleuchtung ausgeschaltet zu lassen, nützt hier allerdings wenig. Bereits geringe Lichtintensitäten können diese Prozesse erheblich verzögern. Umgekehrt könne aber auch ein veränderter Lebensstil vor allem in den Städten Ursache für die nächtlichen Aktivitäten sein, schränken sie ein.

Die Verschiebung der inneren Uhr wird aber nicht nur durch nächtliches Licht beeinflusst. Auch die häufige und späte Nutzung von elektronischen Bildschirmmedien hat einen starken Einfluss auf den Tagesrhythmus. Jugendliche mit einem späteren Rhythmus konsumieren zudem eher Stimulanzien wie Kaffee, Alkohol oder Zigaretten.

Damit sich die innere Uhr der Jugendlichen nicht noch weiter in die Nacht hinein verschiebt, empfehlen die Autoren der Studie, dass Städteplaner bei der Neugestaltung von Wohngebieten nächtliche Lichtquellen sparsam einsetzen. Eltern sollten für eine angemessene Verdunkelung der Zimmer sorgen. Die Autoren raten den Jugendlichen außerdem, nachts in ihrem Zimmer keine elektronischen Bildschirmmedien wie Mobiltelefone, Computer oder Fernseher zu nutzen, da das blaue Bildschirmlicht zusätzlich wach hält.

MP

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