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Placebo macht Rückenschmerz-Patienten beweglicher

30.09.2011

Rückenschmerz-Patienten geben nach der Anwendung einer wirkstofffreien Tinktur, eines sogenannten Placebos, ihr schmerzbedingtes Vermeidungsverhalten auf und bewegen sich gesünder. Das ist das Resultat einer Studie, die auf dem Deutschen Schmerzkongress 2011 in Mannheim vorgestellt wird.

Frau putzt Herd.
Keine Schonhaltung: Wenn der Rücken nicht mehr schmerzt, lassen sich alltägliche Arbeiten problemlos durchführen.
© Adam Borkowski - Fotolia

Es gibt bisher nur wenige Studien, die den schmerzlindernden Placebo-Effekt auch auf der Ebene des beobachtbaren Verhaltens untersuchen. Für die Bewertung einer Schmerzlinderung ist das jedoch sehr wichtig: Patienten mit chronischen Rückenschmerzen neigen stark zu einem Schonverhalten und vermeiden körperliche Bewegung. Auf Dauer macht das den Schmerz nicht besser, sondern verschlimmert ihn sogar. "Ziel der Behandlung ist daher auch eine Steigerung der körperlichen Funktionskapazität", erklärt Dr. Regine Klinger von der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz Verhaltenstherapie, der Universität Hamburg.

Die Forscher fragten sich: Lässt sich durch ein Placebo-Präparat die körperliche Funktionskapazität von Rückenschmerz-Patienten steigern? Sie untersuchten 48 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen mehrfach vor und nach der Anwendung einer wirkstofffreien Tinktur bei der Verrichtung von Alltagsaktivitäten. Die Tinktur wurde für die Patienten unterschiedlich deklariert, zum Beispiel als "Opioidtinktur mit schmerzlindernder und bewegungssteigernder Wirkung" oder als "Placebotinktur". Die Wirkung der Tinktur wurde mit Schmerzreizen getestet, die bei einer der Studiengruppen für diese unwissentlich reduziert wurden, so dass die Patienten lernten: Die Tinktur wirkt.

Die unabhängigen Beobachter stellten fest, dass die neutrale Tinktur durch die Erwartung und den Lerneffekt das Schmerz- und Vermeidungsverhalten deutlich verringerte. Die Forscher befassen sich nun damit, wie man solche wünschenswerten Placebo-Effekte sinnvoll in den klinischen Alltag integrieren kann und wie sich damit die rein pharmakologische Wirksamkeit eines Schmerzmittels ergänzen lässt.

DGSS

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