Starke Verliebtheit fühlt sich oft berauschend an. Doch wenn Beziehungen zur Obsession werden und das eigene Wohlbefinden darunter leidet, sprechen Fachleute von einer möglichen „Liebessucht“. Darauf weist die Cleveland Clinic hin. Psychologin Dr. Gina Gerardo von der Clinic, erklärt, was dahintersteckt – und wie Betroffene gesunde Muster entwickeln können.
Was bedeutet „Liebessucht“?
„Liebessucht“ oder „Love addiction“ ist keine offizielle Diagnose, sondern ein psychologisches Konzept. Gemeint ist eine ungesunde Fixierung auf romantische Beziehungen. Während stabile Partnerschaften sich ausgewogen und unterstützend anfühlen, kann Liebessucht belastend und störend wirken. Dr. Gerardo erklärt: „Es kann bedeuten, ständig nach romantischen Partnern zu suchen oder auf ungesunde oder extreme Weise Gefühle für eine bestimmte Person zu entwickeln.“ Häufig hänge das Selbstwertgefühl und die emotionale Stabilität stark von einer anderen Person oder dem Beziehungsstatus ab.
Typische Anzeichen
Bestimmte Verhaltensmuster können auf Liebessucht hinweisen:
- Zwanghafte Gedanken: Liebe oder eine bestimmte Person dominieren den Alltag.
- Starke Verlustangst: Klammerndes Verhalten, ständiges Bedürfnis nach Bestätigung.
- Emotionale Achterbahn: Extreme Hochgefühle, aber auch tiefe Niedegeschlagenheit.
- Schwierigkeiten, allein zu sein: Etwa schnelle Beziehungswechsel nach Trennungen.
- Ungesunde Beziehungsmuster: Wiederholte, intensive Kurzbeziehungen oder Verbleib in toxischen Partnerschaften.
- Vernachlässigung eigener Bedürfnisse: Eigene Ziele und Gesundheit treten in den Hintergrund.
Wenn darunter Arbeit, Familie oder Freundschaften leiden, könne das ein Warnsignal sein. „Wenn es Ihre anderen Beziehungen schädigt oder Sie von wichtigen Verpflichtungen abhält, könnte ein Hinweis auf ein Problem sein“, so Dr. Gerardo.
Warum entsteht Liebessucht?
Die Ursachen sind vielfältig. Dazu zählen:
- Neurobiologische Prozesse: Romantische Aufmerksamkeit aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn. „Wenn diese Gefühle intensiv sind, drängt Ihr Gehirn Sie möglicherweise dazu, sie wieder und wieder zu haben“, betont die Psychologin.
- Unsichere Bindung oder Kindheitstraumata
- Geringes Selbstwertgefühl
- Co-Abhängigkeit
Was kann helfen bei Liebessucht?
Die gute Nachricht: Auch ohne offizielle Diagnose gibt es Wege, gesündere Beziehungsmuster zu entwickeln. Diese Strategien können helfen:
- Psychotherapie – um Ursachen wie Trauma oder Selbstwertprobleme zu bearbeiten
- Paartherapie – für bessere Kommunikation
- Alleinsein üben – etwa durch Achtsamkeit oder Journaling, nicht gleich das Ende einer Beziehung
- Klare Grenzen setzen
- Offene Gespräche führen
- Außenperspektiven einholen
Dr. Gerardo erklärt: „Wenn Sie merken, dass Sie vollkommen von jemandem vereinnahmt sind… dann ist es Zeit, Ihre Beziehung zur Liebe zu überdenken.“ Die gute Nachricht ist: Laut der Psychologin gibt es Wege, Liebe wieder als etwas Positives zu erfahren.
Quelle: Cleveland Clinic