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Thema der Woche: Stottern im Job

19.10.2016

Stotternde Menschen berichten immer wieder von Problemen bei der Arbeitsplatzsuche oder im alltäglichen Berufsleben. Ihnen traut man nicht zu, dem Arbeitsalltag mit vielen Telefonaten, Präsentationen und Besprechungen gewachsen zu sein. Eine Fehleinschätzung, die zu Einschränkungen bei der Berufswahl und Benachteiligungen im Arbeitsleben führen kann, stellt die Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V. (BVSS) zum heutigen Welttag des Stotterns am 22. Oktober fest.

Am 22. Oktober 2016 ist Welttag des Stotterns.
Stotternde Menschen müssen im Alltag und im Berufsleben immer wieder mit Schwierigkeiten kämpfen.
© Picture-Factory - Fotolia

„Die Schere im Kopf muss weg! Dass ein Mensch stottert, sagt zunächst nichts über seine Eignung für einen bestimmten Beruf aus “, sagt Prof. Dr. Martin Sommer, Vorsitzender der BVSS. Nicht selten werden Stotternde ausgegrenzt und benachteiligt. Schuld daran sind fast immer uralte Vorurteile über die Sprechbehinderung. Dabei ist Stottern lediglich eine Störung des Sprechablaufs. Stotternde Menschen sind nicht nervöser, ängstlicher oder gehemmter als flüssig sprechende, sie sind auch nicht weniger intelligent. Sommer wünscht sich daher eine größere Aufgeschlossenheit: „Stotternde und ihre Gesprächspartner können mit Offenheit sowie mit aktuellem Wissen über Stottern die Barrieren aus Vorurteilen überwinden“. Zum Welttag des Stotterns am 22. Oktober ruft die BVSS deshalb vor allem zu Aktionen und Gesprächen im beruflichen Umfeld auf.

Es gibt mehr als 800.000 stotternde Menschen in Deutschland. Die Redeflussstörung beginnt fast immer im Kindesalter. Überdauert sie die Pubertät, bleibt das Stottern in der Regel ein Leben lang. Eine Heilung im klassischen Sinne ist im Erwachsenenalter nicht möglich, doch mit Hilfe einer anerkannten Stotter-Therapie sowie durch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe können Betroffene lernen, ihr Sprechen zu beeinflussen und ihren Redefluss zu kontrollieren. „Ein Sprechberuf kann dann ein zusätzliches Training sein“, erklärt Sommer, der selbst seit seiner Kindheit stottert und als geschäftsführender Oberarzt an der Göttinger-Uniklinik ebenfalls einen Beruf mit hohem Sprechaufkommen ausübt. Arbeitgeber und Kollegen können die Zusammenarbeit zudem erleichtern, wenn sie wissen, dass im Umgang mit Stotternden die gleichen simplen Regeln gelten, wie für jedes höfliche Gespräch: Gut zuhören, lockeren Blickkontakt halten und einander aussprechen lassen.

Eine selbstbewusste Einstellung der Betroffenen gegenüber ihrem Handicap ist wichtig, gerade bei der Berufswahl und im Job. Denn noch immer wird Stotternden von Außenstehenden empfohlen, eine Arbeit zu wählen, bei der sie wenig sprechen müssen – ohne ihre persönlichen Interessen und tatsächlichen Qualifikationen zu berücksichtigen.

Offenheit kann auch vor solchen Unterschätzungen schützen, ist Sommer überzeugt: „Wenn das Stottern kein Tabu mehr ist, verliert es seine Macht und das verändert den Fokus der Wahrnehmung für alle. Dazu braucht es anfangs eine große Portion Mut, aber es befreit enorm, wenn man sich nicht mehr versteckt und lieber stottert als schweigt“. Sachliche, umfangreiche Informationen über Stottern sowie eine fachliche Beratung zu Therapie- und Selbsthilfemöglichkeiten bietet die Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe auf ihrer Webseite.

BVSS/NK

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